Full text : Kaufmanns Herrschgewalt

XVII.  Die  Manchester-Schule  und  die  Gegenwart.  203

so  notwendige  Geschicklichkeit  ist  heute  nicht  mehr  so  sehr  erforderlich; ­
  dort  wo  sie  in  einzelnen  Stellungen  größerer  Werke
noch  unentbehrlich,  kann  sie  leicht  aus  den  älteren  Industrieländern ­
  beschafft  werden.  Automatische  Maschinen  sind  heutzutage
ein  bedeutender  Faktor  für  die  Fabrikation  von  Massenartikeln;
letztere  können  deshalb  ohne  die  technisch  erzogenen  Arbeiter
Britanniens  und  Amerikas  mit  Erfolg  fabrizert  werden.  So  wurde
es  möglich,  daß  Industriemittelpunkte  in  Ländern  sich  bildeten,
deren  Schicksal  es  bis  in  die  letzten  Jahre  zu  sein  schien,  auf  das
Erzeugnis  von  Rohmaterial  beschränkt  zu  bleiben.  Überall  sehen
wir  jetzt  den  großen  Einfluß  dieses  neuen  Maschinenwesens.  Man
darf  es  heute  als  ein  Axiom  hinstellen,  daß  Rohmaterial  gegenwärtig ­
  die  Macht  der  Kapitalanziehung  sowie  auch  die  weitere
Macht  besitzt,  Arbeit  für  seine  Fabrikation  in  nächster  Nachbarschaft ­
  anzuziehen  und  zu  entwickeln;  ebenso  daß  gelernte  Arbeit
seine  frühere  Macht,  Rohmaterialien  aus  der  Ferne  an  sich  zu  ziehen,
zu  verlieren  anfängt;  darin  spricht  sich  nicht  nur  eine  Veränderung, ­
  sondern  eine  vollständige  Umwälzung  aus.
Die  Tätigsten  und  Besten  jedes  Landes  sind  bereit,  alles
für  die  Entwicklung  seiner  Hilfsquellen  zu  tun;  sie  halten  es  für
ein  Unrecht,  die  ihnen  gegebenen  Talente  zu  verbergen,  und  sehen
jetzt  deutlich'  und  klar,  wie  das  wahre  Naturgesetz  darin  besteht,  daßi
der  Segen  der  verschiedenartigsten  Industrien  vielen  Völkern  zugute ­
  kommt,  und  daß  dadurch  die  verschiedenartigsten  Talente
freien  Spielraum  finden.
Das  alles  konnte  die  Manchesterschüle  unmöglich  voraussehen.
Es  ist  ein  Vergnügen,  die  Bewegungen  der  verschiedenartigsten
Nationen  auf  dem  Vormarsche  für  industriellen  Fortschritt  unter
den  neuen  Bedingungen  zu  übersehen.  Wären  nur  ein  oder  zwei
Völker  die  Hauptindustriellen  für  alle  Völker  geworden,  dann
wäre  eben  nur  der  Genius  dieser  Völker  bei  dem  Werke  der
Vervollkommnung  und  Erfindungen  in  Betracht  gekommen.  Heutzutage ­
  ist  jedoch  der  Genius  vieler  Völker  an  der  Arbeit  und  noch
mehrere  werden  nachfolgen.  Gleich  erfreulich  ist  die  Tatsache,
daß  der  Genius  eines  jeden  Volkes  sich  gewöhnlich  nach  einer
besonderen  Richtung  hin  vorzüglich  auszeichnet.  So  hat  beispielsweise ­
  Frankreich  das  Allerfeinste  im  Textilgewerbe  beinahe  mono-
            
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