Kapitel IV. Friedrich List und die nationale Volkswirtschaftslehre. 301
Spitze damals Mathieu Carey (der Vater des Volkswirtschaftlers, von
dem wir weiter unten sprechen werden) stand, führte zur Zeit der Ankunft
List’s in Amerika einen lebhaften Feldzug zugunsten einer Erhöhung der
Zolltarife. Der Vizevorsitzende der Gesellschaft, Ingersoll, überredete
den Gast, an diesem Feldzug teilzunehmen, was List in einer Reihe von
Briefen tat, die 1827 veröffentlicht wurden und großes Aufsehen erregten 1 ).
Diese Briefe enthalten, kurz zusammengedrängt, all das, was er in dem
nationalen System ausführlicher darlegen sollte. Er preist hier schon
für Amerika dieselbe Politik, die er einige Jahre später den Deutschen
empfahl.
Doch ist List mehr von Tatsachen als von Büchern beeinflußt worden.
Seinem praktischen und scharf beobachtenden Geiste fiel besonders der
materielle Erfolg auf, den der amerikanische Schutzzoll mit sich gebracht
hatte. Ebenso hatten die günstigen Wirkungen, die die erzwungene
Kontinentalsperre für Deutschland gehabt hatte, ihren Eindruck auf ihn
nicht verfehlt 2 ).
entgegensetzen; fast überall ist man zu der Einsicht gelangt, daß entstehende
Manufakturen nicht gegen Unternehmungen ankämpfen können, die die Zeit fest
gegründet hat, die von reichen Kapitalien genährt und sorgfältig unterhalten werden,
n< (die mit einem bedeutenden Aufgebot anjgeschulten und geübten Künstlern arbeiten,
?° ( a ^ m an dazu gezwungen worden ist, auf Schutzzölle zurückzugreifen, um die Konur
renz der ausländischen Industrien auszuschalten.“
o , . ist sicher, daß List schon bei seinem ersten Aufenthalt in Frankreich diese
uutsteller gelesen und dort die Bestätigung seiner eigenen protektionistischen
®<m gefunden hatte. Nicht weniger sicher ist, wie ein im April 1825 geschriebener
wo 1 V °' n *^ ra (Birst, op. cit. infraS. 33), daß er nicht erst in Amerika bekehrt
g rUeu * st > sondern im Gegenteil hoffte, dort für seine schon alte Gegnerschaft gegen
in ™ Bestätigungen durch neue Argumente zu finden. Die Behauptung Marx’, die er
„ Se ’ nen Theorien über den Mehrwert (Bd. I, S. 339,1905 von Kautsky heraus-^
geben, Stuttgart) aufstellt, wonach die hauptsächlichste Quelle List’s Ferrier
1805?° UVerneraen *' considere dans ses rapports avec le commerce (Paris
Woll > ^ ewesen se b ist einfach aus der Luft gegriffen. So hat man auch behaupten
A ' U1 \List den Gedanken der Nationalität als Grundlage der Volkswirtschaft
Sch ■ f f; ÜLLER entlehnt habe. Allerdings ist List mit A. Müller (einem katholischen
getr *ff B ^ er ’ ^ er c * er Wiederherstellung des Foudal-Systems günstig war) zusammen-;
n ( ,° ® n • Doch es genügte, als Deutscher im 19. Jahrhundert zu schreiben, um bis
lass' 6 .'T* oc üen von dem Gedanken der Nationalität durchdrungen zu sein. Wir unter-Yoj^h
a )er n >cht, darauf hinzuweisen, daß die Argumente des Schutzzollsystems kaum
in ih e, «P-he zur anderen fühlbar verschieden sein können und notwendigerweise
liinf 161 Zahl beschränkt sind. Nichts ist daher leichter, als für Friedrich List VorauIer
zu finden.
°f d l. In . Buchform herausgegeben unter dem Titel: Outlines of a new System
Charl* 1 ^ ca ^ e conomy, in a series of lettres addressed by F. List to
H Ingersoll, Philadelphia 1827. Dieses Werk findet sich nicht in den von
,,Li[ SEK f iU ' rausge S e benen Werken List’s, ist aber vollständig in dem interessanten
h’altJ! ° T f Friedrich List“, das von Margaret E. Hirst veröffentlicht wurde, entien
(London 1909, 331 Seiten).
) Wie
zum p Wie er sa S fc (Briefe an Ingersoll, S. 173) ist es diese Tatsache gewesen, die ihn
Protektionismus bekehrt hat, obgleich er vorher Anhänger Smith’s und Say’s war.