Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  IV.  Friedrich  List  und  die  nationale  Volkswirtschaftslehre.  303
Auffassung:  „billig  einkaufen  und  teuer  verkaufen“,  auf  ganze  Nationen
anzuwenden  suchten.  In  zwei  wesentlichen  Gesichtspunkten  jedoch  unterscheidet ­
  er  sich  von  den  Merkantilisten.  Einerseits  ersetzt  die  Idee  der
industriellen  Erziehung,  die  die  Gedanken  List’s  beherrscht,  in  glücklicher
*cise  die  der  günstigen  Handelsbilanz;  und  während  die  letztere  endgültig
v°n  der  Wissenschaft  verworfen  worden  ist,  ist  im  Gegenteil  die  erstere
einem  prinzipiellen  Einwurf  ausgesetzt  und  ist  auch  von  Schriftstellern,
le  so  entschieden  liberal  waren,  wie  Stuart  Mili.,  angenommen  worden,
ndererseits  und  vor  Allem  war  der  Merkantilismus  im  XVII.  Jahrhundert
a s  Instrument  einer  dauernden  Politik  nationaler  Exklusivität;  der
c  mtzzoll  List’s  aber  ist  im  Gegenteil  in  seinen  Gedanken  ein  Mittel,
^  e  Völker  einer  gerechteren  Gemeinschaft  zuzuführen.  Er  ist  ein  Überö
 a ngssystem,  ein  Verfahren,  das  auf  den  Umständen  beruht.
Ebensowenig,  wie  das  System  List’s  ein  direkter  Nachkomme  des
sv  ^ er ^ ant ilismus  ist,  kann  es  als  Ursprung  des  modernen  Schutzzollys
  ems  angesehen  werden.  Sogar  in  Deutschland  war  der  praktische
ra  '  k  des  Euches  zur  Zeit  seines  Erscheinens,  trotz  des  großen  lite-„
  .  en  Erfolges,  keineswegs  von  Bedeutung,  —  wenn  man  nicht  die
m ^ ln S e  ^°E er höhung,  die  der  Zollverein  1846  beschloß,  mit  ihm,  sowie
in  v  T  E- am PE  den  List  in  seiner  Zeitung 1 )  für  den  Schutzzoll  führte,
Min'  r mdun g  b r ing en  will.  Die  liberalen  Reformen  des  englischen
haw  < fS  ^ EEL ’  c be  im  gleichen  Jahre  durch  die  Abschaffung  der  Cornerr
  s  & e krent  wurden,  das  Aufsehen,  das  diese  Maßnahme  in  Europa
behe  e ’  d ’ e  °Ei z ielle  Bestätigung,  die  so  die  Ideen  Cobden’s  erhielten,
Haften  fast  vollständig  die  öffentliche  Meinung  und  lenkten  die
über  1°  S p° d Ek  der  europäischen  Staaten  für  viele  Jahre  im  Voraus  in  eine
d en  V'  Dichtung.  Die  Politik  der  Handelsverträge,  mit  der  Napoleon  III.
ntang  machte,  gab  dieser  allgemeinen  Anschauung  Ausdruck.
ei nzu „° t n  *879  a b  beginnt  eine  neue  schutzzöllnerische  Bewegung  in  Europa
äolisch  ZCn  E* e  Nationen  errichten  zwischen  einander  immer  höhere
Und  u T en -  können  die  neuen  Zolltarife,  die  nach  und  nach  in  Deutsch-Listv
  n<  Frankreich  zur  Anwendung  gelangen,  als  Ausfluß  der  Ideen
IST *  angesprochen  werden?
e inem  nsc ^ e \ nen( l  nicht.  Keines  der  beiden  Länder,  und  ebensowenig  die
hat  es  e / ler ^ sc b e n  Protektionismus  treu  gebliebenen  Vereinigten  Staaten,
haben  Tt  nötig -  seine  Industrie  zu  erziehen.  Schon  seit  langem
Voli en  p C  ] enen  hoch  entwickelten  Zustand  erreicht,  der  nach  List  zur
Eesond  ÜaltUng  ihrer  Zivilisation  und  ihrer  Macht  notwendig  ist.  Im
dieser  .°, rerL .  stehen  Deutschland  und  die  Vereinigten  Staaten  England  in
mächti  lnSlcht  nicht  mehr  nach -  Ihre  Handels-  und  Kriegsflotten  sind
und  ihr  Kolonialreich  breitet  sich  ständig  aus.  Wenn  List  heute
1  Zollvereinsblatt,  das  er  seit  1843  herausgab.
            
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