Full text : Kaufmanns Herrschgewalt

VI.  Wie  kann  man  ein  Vermögen  erwerben?
Alle  wirtschaftliche  Arbeit  teilt  sich  in  zwei  große  Lager:
Ackerbau  und  Industrie.  In  beiden  sind  verschiedene  Kräfte  tätig.
In  dem  einen  Lager  geht  alles  auf  weitere  Verteilung  von  Land
unter  die  vielen  aus;  in  dem  anderen  Lager  zielt  alles  auf  Konzentration ­
  des  Geschäftes  in  den  Händen  von  wenigen  hin.  Einer
der  großen  Irrtümer,  auf  welche  Georges  bekanntes  Buch  „Fortschritt ­
  und  Armut“  aufgebaut  ist,  besteht  in  der  Voraussetzung,
daß  Grund  und  Boden  immer  mehr  in  die  Hände  von  wenigen
komme.  Die  einzige  Quelle  aus  der  Henry  George  seine  Kenntnis ­
  über  diesen  Funkt  schöpfen  konnte,  ist  der  Census;  der
Census  aber  sagt  aus,  daß  im  Jahre  1850  die  durchschnittliche
Größe  der  Landgüter  in  den  Vereinigten  Staaten  203  Acres,  im
Jahre  1860  199  Acres,  im  Jahre  1870  153  Acres  und  im  Jahre
1880  134  Acres  betrug.  Die  Ursache  für  diese  äußerst  schnelle
Landaufteilung  erklärt  sich  leicht.  Der  Landwirt,  welcher  ein  kleines ­
  Gut  mit  eigener  Hand  kultiviert,  vermag  leicht  den  ehrgeizigen ­
  Kapitalisten  aus  dem  Felde  zu  schlagen,  der  versucht,  Land
in  weiten  Flächen  mit  der  Arbeit  anderer  zu  kultivieren.  Es
ist  bemerkenswert,  daß  in  Großbritannien  der  kleine  Landwirt
die  Zeiten  landwirtschaftlicher  Not  bei  weitem  besser  überstanden
hat  als  der  Großgrundbesitzer.  Wir  haben  für  Amerika  sowohl
wie  für  England  den  besten  Beweis,  daß  unter  gleichen  gesetzlichen ­
  Voraussetzungen  Landbesitz  sich  immer  mehr  und  mehr
unter  die  Massen  der  Bevölkerung  verteilt.  In  der  ganzen  Masse
sozialer  Erscheinungen  gibt  es  keine  wichtigere  Tatsache,  als  die
eben  erwähnte,  und  nichts,  was  dem  denkenden  Forscher  größere ­
  Befriedigung  verursacht.  Der  Triumph  des  kleinen  Landr
eigners  über  den  Großgrundbesitzer  sichert  Wachstum  und  Be ­
            
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