Full text : Kaufmanns Herrschgewalt

VI.  Wie  kann  man  ein  Vermögen  erwerben?  69

stand  desjenigen  gesellschaftlichen  Elements,  auf  welches  die  Zivilisation ­
  am  sichersten  Zählen  kann;  denn  es  gibt  keine  andere  Volkskraft, ­
  die  das  Gute  so  erhält  und  die  zugleich  so  ehrlich  denkend
und  tugendhaft  ist,  wie  der  Stand,  welcher  seinen  Acker  mit  eigener
Hand  bebaut.  Zum  Glück  für  die  Menschheit  lehrt  die  Erfahrung,
daß  kein  Mann  mit  Nutzen  für  sich  selbst  mehr  Boden  bebauen
kann,  als  er  selbst  mit  Hilfe  seiner  Familie  zu  bestellen  vermag.
Wenden  wir  uns  nun  dem  anderen  Lager,  dem  der  industriellen ­
  Arbeit,  zu.  Es  wird,  wie  wir  eingestehen  müssen,  gerade
von  dem  entgegengesetzten  Gesetze  beherrscht,  welches  Gewerbe
und  Geschäft  im  allgemeinen  zur  Konzentration  in  wenige  großartige ­
  Betriebe  zwingt.  Beispielsweise  sehen  wir  1700  Uhren
täglich  von  einer  einzigen  Gesellschaft  angefertigt.  Daher  sind
Uhren  zu  einem  sehr  mäßigen  Preise  käuflich.  Wir  haben  Werke,
die  jeden  Tag  tausend  Meter  Kattun  erzeugen,  und  dieser  vielbegehrte ­
  Artikel  kann  für  wenige  Pfennige  pro  Elle  erstanden
werden.  Stahlwarenfabrikanten  erzeugen  täglich  2500  Tonnen  Stahl;
infolgedessen  werden  vier  Pfund  feiner  Stahl  für  5  Cents  (20  Pfennige) ­
  verkauft.  Und  so  geht  es  fort  durch  das  ganze  Gebiet  der
Industrie.  Man  zerteile  die  großen  Fabriken  in  kleine  Anlagen,
alsdann  wird  man  finden:  die  Herstellung  einzelner  Artikel  ist
überhaupt  nicht  möglich!  denn  der  Erfolg  der  Arbeit  hängt  davon
ab,  daß  die  Waren  in  großen  Massen  hergestellt  werden;  die
Herstellungskosten  ein  und  desselben  Artikels  würden  in  kleinen
Fabrikanlagen  den  gegenwärtigen  Preis  zwei-  oder  dreimal  übertreffen. ­
  Es  gibt  für  dieses  Gesetz  der  Konzentration  in  der  industriellen ­
  Welt  durchaus  kein  gegenwirkendes  Gesetz.  Ganz  im
Gegenteil,  die  bei  der  Arbeit  beteiligten  Kräfte  scheinen  wachsende
Produktion  von  jedem  Großbetriebe  zu  fordern,  damit  das  Minimum ­
  an  Unkosten  erreicht  werde.  Daher  schreibt  sich  nun  der
rapide  und  fortwährende  Kapitalzufluß  Z u  den  Fabriken  und  Handelsanlagen; ­
  fünf,  fünfzehn,  ja  zwanzig  Millionen  werden  häufig
von  ein  und  derselben  Gesellschaft  verwendet.  All  das  hat  zu
einer  oft  gehörten  Klage  Anlaß  gegeben,  deren  Grundlosigkeit
ich  zu  beweisen  hoffe.  Der  praktische  junge  Geschäftsmann  weist
auf  diese  Verhältnisse  hin  und  meint:  Es  ist  nicht  mehr  möglich,
ohne  Kapital  über  die  Stellung  eines  bezahlten  Angestellten  hin ­
            
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