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Zweites Buch. Die Gegner.
Die Entwertung kann also nur von der später sich herausstellenden
Zahlungsunfähigkeit des Käufers kommen und nicht von dem Sinken
des Preises, das einer Verminderung in der Nachfrage nach den Produkten
folgt. Proudhon selbst hat übrigens jede Verbindung mit dem Projekt
Mazel’s abgelehnt 1 ).
3. Schließlich hat vor nicht langer Zeit ein großer belgischer In
dustrieller, Solvay, einen Plan „sozialer Buchungen“ (comptabilisme
social) verteidigt, indem er ebenfalls die Abschaffung des Metallgeldes
und die Einführung eines vervollkommneten Zahlungssystems vorschlägt.
Aber auch hier ist die Analogie mit dem System Proudhon’s mehr schein
bar als wirklich.
Was Solvay vorschlägt, ist die Ersetzung des Metallgeldes nicht
durch Banknoten, sondern durch ein System von Schecks und Um
buchungen. Sein Projekt beruht auf der modernen Praxis der „Clearing-
Houses’“ oder Verrechnungsstellen. In seinen Augen würde es möglich
sein, dieses System so auszubreiten, daß der Gebrauch des Geldes über
haupt unnötig wird. Der Staat würde jedem „Verrechner“ (Comptabiliste)
ein Scheckbuch über eine gemäß seines beweglichen oder unbeweglichen
Vermögens verschieden hohe Summe ausfolgen. Dieses Buch hat zwei
l ) „Ich verwerfe sie sowohl nach ihrem Grundgedanken wie nach der Form
vollständig,“ sagte er, indem er von der Idee Mazel’s in einem Aufsatze, der am 7. De
zember 1848 in der Zeitung Le Peuple erschien, spricht (CEuvres, Bd. XVII, S. 221)-
Er fügt hinzu, daß er Mazel nicht kannte, als er sich mit dem Gedanken der Tausch
bank trug. „Mazel ist von sich aus zu mir gekommen und hat mir seinen Gedanken
mitgeteilt.“ — Proudhon scheint in einem seiner Projekte, das am 10. Mai 1848 ver
öffentlicht wurde, für einen Augenblick die Idee einer ähnlichen Bank gehabt zu haben.
Der § 17 des Entwurfes lautet wie folgt: „Die Tauschbons sind beständig bei Sicht
an den Kassen der Bank und bei allen Teilhabern gegen Waren oder Dienste jeder
Art austauschbar. Umgekehrt sind Waren und Dienste jeder Art beständig an den
Kassen der Bank gegen Austauschbons austauschbar“ (Resume de la question
sociale, S. 41). Dieser Paragraph rechtfertigt die Auslegung Courcelle-Seneuil s
(Traitö des opörations de Banque, 9. Ausgabe 1899, S. 470; 1. Ausg. 1862),
wie auch die von Ott, in seinem Traitö d’ficonomie Sociale (1851), — wo sich
jedoch die beste Analyse und die beste Kritik der Auffassung Proudhon’s findet. Wir
glauben aber, daß dieser Paragraph nur auf ein einfaches Versehen Proudhon’s zurück
zuführen ist. Denn außer der formellen Verwerfung des Gedankens Mazel’s findet man
ihn auch in keinem anderen Entwürfe und besonders auch nicht in dem Entwürfe der
Banque du Peuple, und es scheint uns in Widerspruch zu der wiederholten Behauptung
Proudhon’s zu stehen, daß die Bons einzig gegen „verkaufte und abgelieferte“ " r "
Zeugnisse erteilt werden dürfen, wie auch mit anderen Paragraphen des Entwürfest
so z. B. mit dem § 30 über Konsignations-Käufe und -Verkäufe. Auch steht er m
Widerspruch mit dem Gedanken, daß die Diskontierung von Handelswechseln die erste
und wesentliche Operation der Bank ist. — Unserer Auffassung nach liegt daher eine
irrtümliche Auslegung vor, wenn Diehl in seinem Werk über Proudhon (P.-J. Proudhon,
Seine Lehre und sein Leben, Bd. II, S. 183) glaubt, daß die Banque d’Echange
Bons gegen jede hergestellte Ware ausgeben sollte, ohne sich darum zu kümmern,
ob sie verkauft ist oder nicht.