fullscreen: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

146 
Bildende Runst. 
her, noch von den technischen Voraussetzungen der alten Kunst 
aus Ideal und Kanon dieser Figuren geschaffen werden, sollte 
anders auch ein idealistischer Zweig des vollen Impressionis— 
mus gedeihen und Blüten und Früchte tragen in reicher Fülle. 
Dies Ideal, die moderne malerisch-plastische Form des 
Reinmenschlichen zu schaffen, war Feuerbach sein Leben hin— 
durch bemüht. Die Höhe seiner Kunst aber liegt in der Zeit, 
da er in der Verwirklichung dieses Ideals rasch fortschritt, 
ohne doch schon die koloristischen Fähigkeiten seiner Jugendzeit 
verloren zu haben. Es ist eine Periode, die sich mit dem 
Dantebild von 1858 ankündigt und in wachsenden Leistungen 
bis zu den Jahren 1870 bis 1871 ansteigt. Dabei verein— 
fachten sich dem Meister in dieser großen Zeit auch die Pro— 
bleme der Komposition immer mehr, und seine Formensprache 
wurde immer energischer. Welch ein Abstand in dieser Hinsicht 
oon der Madonna der Dresdener Galerie von 1860 bis zu den 
Bildern der Schackgalerie („Pieta“ 1863, „Francesca da Rimini“ 
1864, „Hafis am Brunnen“ 1866), und noch viel mehr von hier 
bis zum „Gastmahl des Platon“, dessen erste Ausführung (jetzt 
in Karlsruhe) 1867 begonnen ward, und den Iphigenien- und 
Madonnenbildern oder auch dem „Varisurteil“ der letzten Jahre 
dieser Periode. 
Aber indem diese Vereinfachung eintrat, verschob sich in 
den letzten fünfzehn Lebensjahren der Gestaltungstrieb des 
Meisters nach zwei Seiten hin. Die Form besiegte immer 
mehr das Element des Malerischen und sogar des Räumlichen 
im weiteren Sinne; und indem sie überwog, bildete sich eine 
Neigung zu ihrer Überführung ins Mehr⸗-als-menschliche, Ti⸗— 
tanenhafte, und damit eine Kompositionsweise, die den Einzel— 
körper in seinen Stellungs- und Bewegungswandlungen nur 
noch als Inbegriff des unendlichen Formenreichtums und der 
Formenpracht der Natur betrachtete und ihn darum nur noch 
als Teil einer allgemeinen Formensymphonie, nicht mehr als 
selbständiges Moment verwandte. Die Folgen der ersteren 
Richtung zeigen sich schon in der monumentalen Ausführung 
des „Symposions“ in der Berliner Nationalgalerie; hier ist der
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.