Full text : Ueber Betheiligung der Arbeiter am Unternehmergewinn

Ueber  Gewinnbetheiligung  der  Arbeiter.  5

Betheiligung  am  Productionsgewinne  bedeutet,  so  empfiehlt  sie  sich  dennoch,
sobald  sie  nur  immer  den  herkömmlichen  Lohnsatz  für  die  Normalarbeit  festhält ­
  und  dessen  Herabdrückung  nicht  zuläßt.  Die  Arbeiter  werden  häufig  die
Ausbezahlung  in  kürzeren  Fristen  einer  unsicheren  Jahresrente  vorziehen;  die
auf  das  bloße  Arbeilsquantum  beschränkte  Tantieme  ist  leicht  zu  berechnen
und  kann  selbst  in  mittleren  Geschäftszeiten  ausbezahlt  werden,  was  von  der
Quote  an:  reinen  Unternehmergewinne,  welche  mit  so  vielen  andern  Posten
zu  concurriren  hat,  nicht  immer  gelten  wird.  Freilich  wird  der  Stückbonus
sich  wegen  dieser  relativen  Sicherheit  auch  mit  einem  niedrigeren  Procentsatz
begnügen  müssen.  Diese  etwas  rohe  aber  naheliegende  Form,  welche  die  Sache
beiden  Theilen  nützlich  erscheinen  läßt,  kann  gerade  deshalb  ein  Zusammenwirken ­
  von  Capital  und  Arbeit  anbahnen  und  den  Uebergang  zu  höheren
und  schwierigeren  Formen  vorbereiten.
Die  eigentlich  reine  Form  der  Gewinnbetheiligung  besteht  bekanntlich ­
  in  der  Absetzung  eines  Theiles  des  am  Schluffe  eines  Jahres  oder  einer
andern  Geschäftsperiode  sich  ergebenden  Gewinnes,  für  die  in  der  Unternehmung
beschäftigten  Arbeiter,  welchen  während  dieser  Zeit  der  herkömmliche  Lohn  bezahlt ­
  worden  ist.  Diese  Form  ist  darum  höher  als  die  vorige,  weil  sie  den
Arbeiter  nicht  wie  jene  bloß  in  Zusammenhang  mit  dem  von  ihm  gelieferten
Productenquantum,  welches  häufig  noch  nicht  die  Natur  der  Waare  angenommen ­
  hat,  sondern  in  Zusammenhang  mit  dem  Ganzen  der  Unternehmung
setzt,  deren  Gewinn  nicht  aus  der  Herstellung  des  Productcs  ,  sondern  aus
dessen  Erlös  hervorgeht.  Sie  beruht  auf  der  Voraussetzung,  daß  der  Unternehmergewinn ­
  ein  Einkommen  der  ganzen  Production  ist,  welches  nach  der
fixen  Ablehnung  der  Arbeit  durch  den  Lohn  nickt  ausschließlich  dem  sog.  Unternehmer ­
  und  dem  Capital,  sondern  auch  der  Arbeit  eine  über  jene  erste  Ablehnung ­
  hinausreicheiide  Antheilsquote  gewährt,  weil  eben  durch  das  Zusammenwirken ­
  der  Arbeit  mit  dem  Capitale  unter  der  Leitung  des  Unternehmers
eine  Gesammtleistung  erzeugt  wurde  auf  welche  alle  Factoren  Anspruch  machen
können.
Wenn  man  von  einem  Antheil  der  Arbeit  am  Unternehmergewinn
spricht,  so  wird  es  gut  sein,  über  dessen  wirthschaftliche  Natur  einige  Bemerkungen ­
  vorauszuschicken.  Der  deutsche  Ausdruck  Unternehmergewinn  hat  in.
E.  den  Nachtheil,  daß  er  zu  sehr  das  persönliche  Element  der  Unternehmung
betont  und  daß  er  in  den  Lehrbüchern  meistens  von  der  Voraussetzung  ausgeht, ­
  daß  die  meisten  Unternehmungen  mit  fremdem  Capital  gegründet  werden ­
  1 ),  was  allerdings  in  der  Zeit,  wo  jener  Begriff  ausgebildet  wurde,  bei
der  damaligen  Jugend  der  deutschen  Industrie  der  Fall  sein  mochte.  Allein
er  übersieht,  daß  in  der  großen  Industrie,  welche  mit  Maschinenbetrieb  Massenproduction
  treibt,  das  Capital  es  ist,  welches  die  Unternehmung  gründet,  und
hier  ist  der  U.  G.  nicht  bloß  die  Entlohnung  für  das  Talent  und  die  Mühe

*)  Mangoldt,  U.  G.  «.  40.  Sein  Unternehmerzins  ist  nur  jener  capitalistffche
Unternehmergewinn,  welcher  mit  eigenem  und  sonst  nicht  verdingbarem  Capitale
erzeugt  wird  S.  100.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.