Full text : Ueber Betheiligung der Arbeiter am Unternehmergewinn

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Weigert.

Lohnstand  im  Allgemeinen  kaum  die  Selbstkosten  der  Arbeit  deckt,  bedarf  eines
Beweises,  der  noch  nicht  geführt  ist  und  allerdings  schwer  zu  führen  sein
dürfte.  Aps  diesem  Grunde  dürfen  wir  aber  der  gegnerischen  Ansicht  die
unsrige,  daß  in  den  Gewerben  eine  außerordentliche  Lohnsteigerung  eingetreten
ist  und  stetig  mehr  Platz  greift,  daß  der  heutige  Lohn  im  Allgemeinen  ein
der  dafür  geforderten  Leistung  entsprechender  und  ohne  den  wirthschaftlichen
Fortschritt  zu  gefährden,  nicht  wesentlich  zu  erhöhender  ist,  entgegenstellen.
Das  Verhältniß  zwischen  Arbeiter  und  Unternehmer  ist  in  der  Praxis  ein
von  dem  theoretisch  so  häufig  aufgestellten  weitaus  verschiedenes.  Während
diese  Theorie  von  der  Voraussetzung  ausgeht,  daß  der  sogenannte  freie  Arbeitsvertrag ­
  eigentlich  kein  solcher  ist,  sondern  die  Erwerbung  der  nothwendigsten
Lebensbedürfnisse  den  Arbeiter  zwingt,  sich  mit  gebundenen  Händen  den  Unternehmern ­
  zu  überliefern;  die  Freiheiten,  deren  er  sich  erfreut,  also  in  den
meisten  Fällen  illusorische  sind,  da  ihm  die  Macht  fehlt,  sie  geltend  zu  machen,
hat  sich  in  Wahrheit  in  unserm  Gewerbeleben  das  Verhältniß  vollständig
umgekehrt  gestaltet.  Es  ist  vielmehr  -der  Unternehmer,  welcher  in  überwiegendem ­
  Maße  und  mit  nicht  geringerer  Intensität,  wie  die  Arbeiter  der  Leistungen
derselben  bedarf  und  den  ihm  gestellten  Bedingungen  sich  unterwerfen  muß.
Während  beim  Arbeiter  die  Existenz  des  Lebens  auf  dem  Spiele  steht,  ist  es,
da  wir  den  Unternehmer  vom  Capitalisten  trennen  müssen,  bei  ihm  nicht
minder  Existenz,  Ehre  und  Leben,  welche  eine  Fortführung  seines  Geschäfts
dringend  erheischen.
Wenn  beim  Arbeiter,  um  die  äußersten  Consequenzen  zu  ziehen,  Darben
und  Roth  die  Folgen  der  Arbeitslosigkeit  sein  können,  führt  die  Unmöglichkeit,
seine  Fabrik  in  Thätigkeit  zu  erhalten,  für  den  Unternehmer  den  Ruin  derselben ­
  und  häufig  gleichfalls  Mangel  herbei.  Während  aber  der  Arbeiter
mit  Leichtigkeit  Beschäftigung  finden  und  seine  Lage  verbessern  kann,  ist  ein
ruinirter  Unternehmer  weit  schwieriger  befähigt,  eine  neue  Existenz  zu  gründen.
Bei  der  heutigen  Lage  der  Industrie  muß  ich  jedoch  die  Unmöglichkeit,  in
der  sich  der  Arbeiter  befinden  könnte,  Beschäftigung  zu  finden,  als  eine
äußerst  hypothetische  hinstellen.  Unsere  industrielle  Thätigkeit  ist  in  regem
Aufschwung  begriffen,  die  Vergrößerung  des  Capitals  wird  sie  immer  weiter
ausdehnen.  Es  hat  sich  gezeigt,  daß  aller  Orten  und  in  allen  Gewerben
fühlbarer  Arbeiter-Mangel  herrscht,  vergeblich  Hände  gesucht  werden.  Selbst
in  der  schweren  industriellen  und  merkantilischen  Krisis,  in  der  wir  uns  befinden, ­
  hat  sich  das  Verhältniß  wenig  geändert,  weil  der  Unternehmer  nicht
ohne  empfindlichen  Schaden  eine  wesentliche  Einschränkung  seiner  Production
vornehmen  kann.  In  solchen  Zeiten  wälzt  sich  der  Druck  nicht  auf  den
Arbeitslohn,  sondern  auf  den  Unternehmer-Gewinn.  Es  ist  nicht  der
Arbeiter,  der  zu  Grunde  geht,  sondern  der  Unternehmer  und  das  Capital;
unter  hundert  Fällen  werden  neunzig  Mal  die  Unternehmer  zuerst  von  solchen
Verhängnissen  heimgesucht.
Es  herrscht  überhaupt  meistens  eine  durchaus  irrige  Meinung  von  der
Höhe  des  Unternehmer-Gewinns.  Die  Theoretiker  sehn  nur  Schlotbarone,
die  Spitzen  der  Industrie  und  übersehen  ganz,  daß  sich  das  Gros  der
            
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