Object : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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listenkongresses  zu  befinden  und  zu  der  Tagesordnung  dieses  Kongresses:
Stellung  zu  nehmen  hatten.
Von  diesen  Versammlungen  hatte  die  erste  einen  ungemein  bewegtem
Verlauf  genommen,  so  daß  sie  vor  Erledigung  der  Tagesordnung  abgebrochen ­
  werden  mußte.  Aber  auch  in  der  hierauf  einberufenen  zweiten
Versammlung,  die  von  über  viertausend  Personen  besucht  war,  ging  es
sehr  stürmisch  zu.  Der  Amstand,  daß  auf  Anraten  des  Parteivorstandes
die  Maifeier  für  1891  statt  am  1.  Mai,  am  ersten  Sonntag  im  Mar
gefeiert  worden  war,  hatte  bei  dem  kampflustigeren  Teil  der  Sozialdemokraten ­
  Berlins  starke  Anzufriedenheit  erregt,  und  da  der  Brüsseler  Kongreß
unter  anderem  über  die  Art  der  Feier  autoritativ  zu  entscheiden  hatte,  ward
die  Diskussion  der  Frage,  für  welchen  Tag  und  Charakter  der  Feier  die
Berliner  Delegierten  in  Brüssel  stimmen  sollten,  den  Wortführern  der
Opposition  ein  Anlaß,  aufs  neue  mit  Anklagen  gegen  die  nach  ihrer  Ansicht ­
  überopportunistische,  im  Parlamentarismus  erschlaffte  Führung  der
Partei  hervorzutreten.  Diese  Auffassung  vertraten,  meist  mit  mehr  Wärme
als  Geschick,  Richard  Baginski,  E.  Biester,  Wilhelm  Werner  und
Karl  Wildberger,  während  August  Bebel  und  Richard  Fischer  den
von  der  Parteileitung  eingenommenen  Standpunkt  verteidigten.  Die  sehe
lebhaften  Auseinandersetzungen  endeten  in  der  zweiten  Versammlung  damit,
daß  mit  überwältigender  Mehrheit  eine  Resolution  angenommen  wurde,
welche  sich  dafür  aussprach,  daß  die  Berliner  Delegierten  in  Brüssel  die
Grundsätze  der  bis  dahin  von  der  Partei  geübten  Taktik  vertreten  sollten.
Die  Maifeier  solle  als  Fest  der  Arbeit  und  des  Protestes  unbedingt  aufrecht ­
  erhalten,  aber  die  Bestimmung  über  die  Art  und  den  Charakter  der
Feier  den  einzelnen  Ländern  überlassen  bleiben.  Nur  etwa  200  Lände
erhoben  sich  gegen  die  Resolution.  Zu  Delegierten  wurden  die  Klavierarbeiter ­
  Robert  Schmidt  und  Fritz  Zubeil,  sowie  die  Näherin  Ottilie
Baader  gewählt,  die  alle  drei  in  ihren  Ansichten  durchaus  der
schärferen  Tonart  zuneigten.  Linsichtlich  des  Datums  der  Maifeier  hatte
die  Meinung  die  Oberhand,  daß  unter  den  gegebenen  Verhältnissen  der
erste  Sonntag  im  Mai  der  geeignetste  Tag  für  sie  sei.
Trotzdem  die  Niederlage,  die  sie  auch  hier  wiederum  erlitten  hatte,  überwältigend ­
  war,  streckte  die  Opposition  indes  noch  nicht  die  Waffen.  In
der  Versammlung  vom  3.  Juli  hatte  August  Bebel  geäußert,  er  werde
auf  dem  bevorstehenden  Parteitag  —  Erfurt  —  dafür  Sorge  tragen,  daß
klare  Bahn  zwischen  der  Opposition  und  der  Partei  geschaffen  werde.
Wolle  oder  könne  die  Opposition  sich  nicht  in  die  Taktik  der  Partei  schicken,
so  werde  ihr  Gelegenheit  gegeben  werden,  eine  eigene  Partei  zu  gründen.
Das  war  als  Drohung  mit  Ausschluß  aus  der  Partei  aufgefaßt  worden,
und  zum  Teil  daraufhin  verfaßte  die  Oppositton  ein  Manifest  „An  die  sozialdemokratischen ­
  Parteigenossen  Berlins",  das  bald  nach  der  Versammlung  vom
9.  Zuli  herauskam  und  zum  Motto  den  Ausspruch  St.Simons  hatte:  „Erinnere
Dich,  mein  Sohn,  daß  man  begeistert  sein  muß,  um  große  Dinge  zu  vollbringen." ­
  Es  war  von  Ernst  Müller,  Schmidstraße  39,  Berlin,  als  für  den
Inhalt  verantwortlich  gezeichnet,  war  aber  Kollektivarbeit  von  Karl  Wild  -
berger  im  Verein  mit  Albert  Auerbach,  Paul  Kampffmeyer,  Brune
Wille  und  einigen  anderen.  In  scharfer,  jedoch  trotz  mancher  Äbertreibunger
nicht  unwürdiger  Sprache  geschrieben,  war  es  ein  ganzer  Anklageakt  geger
            
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