Kapitel II. Adam Smith.
127
b Tratte, 6. Ausg., S. 349.
und die von 1814, vergleicht. Man sieht da, wie von einer zur anderen
das Verständnis dieses Problems sich klärt und befestigt.
Diesem sehr richtigen Gefühle verdanken wir 'die von Say aus-
geftihrte Auffassung des Mechanismus der Güterverteilung, die in
ihrer klassisch gewordenen Form der Smith’s und der der Physio-
kraten weit überlegen ist. Der Unternehmer wird der Mittelpunkt
der ganzen Verteilung* Man kann diesen Gedanken wie folgt zu
sammenfassen :
Der Mensch, das Kapital und der Boden liefern das, was Say
produktive Dienste (Services productifs) nennt. Diese auf den
Markt gebrachten Dienste werden gegen Lohn, Zinsen oder Pacht
getauscht. Sie werden von den industriellen Unternehmern (Kauf
leuten, Landwirten, Fabrikanten) nachgefragt und zwar zweckmäßig in
der Art, daß die Nachfrage nach Produkten, die von dem Verbraucher
ausgeht, befriedigt werden kann. „Die industriellen Unternehmer sind
sozusagen nur die Vermittler, die zu den für irgendein Produkt not
wendigen produktiven Diensten auffordern, und zwar im Verhältnis
der Nachfrage nach diesem Produkt.“ So entsteht die Nachfrage nach
produktiven Diensten, die „eine der Grundlagen des Wertes dieser
Dienste“ ist. — „Andererseits bieten sich die Produktionskräfte,
Menschen und Dinge, Grundstücke, Kapitalien oder fleißige Leute in
mehr oder weniger großer Menge auf Grund verschiedener Beweg
gründe an . . . und bilden so die andere Basis des Wertes, der sich
für diese selben Dienste ergibt 1 ).“ Daher beherrscht das Gesetz des
Angebotes und der Nachfrage den Preis der Dienste, d. h. die Höhe
der Pacht, der Zinsen und des Lohnes, genau so, wie es den Preis der
erzeugten Güter beherrscht. Dank dem Unternehmer verteilt sich
der Wert der Produkte zwischen den „verschiedenen produktiven
Diensten“, und die verschiedenen Dienste verteilen sich je nach dem
Bedarf zwischen den Industrien. Die Theorie der Verteilung fügt
sich harmonisch der Theorie des Austausches und der Produktion an.
Dieses so einfache Schema der Güterverteilung stellte einen
■wirklichen Fortschritt dar. Zunächst ist es viel genauer als das der
Physiokraten, wo die materiellen Produkte sich zwischen den Klassen
und nicht zwischen den Individuen austauschten. — ‘ Es gestattet
weiterhin, die Entlohnung des Kapitalisten von der des Unternehmers,
den A. Smith mit jenem zusammenwirft, zu trennen." Unter dem Vor
wände, daß der Unternehmer meistenteils ein Kapitalist ist, betrachtet
der schottische Nationalökonom, dem hierin fast alle englischen Schrift
steller folgen, beide als einen Begriff und bezeichnet mit dem Worte
»Profit“ den Gesamtgewinn, ohne scharf zwischen den Zinsen der