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Erstes Buch. Die Begründer.
v Sobald in einem Lande, z. B. in Frankreich, die Handelsbilanz
ungünstig ist, d. h. wenn die Einfuhr die Ausfuhr um, sagen wir,
eine Milliarde übersteigt, muß Geld ausgeführt werden, um diesen
Überschuß an Einfuhr zu bezahlen. Infolgedessen wird das Geld
seltener, ■ sein Wert steigt,und die Preise sinken. Diese Preis-
' erniedrigung jedoch schreckt die fremden Kaufleute, die in Frank
reich verkaufen, ab, und zieht, im Gegenteil dazu, die fremden Kauf
leute, die dort einkaufen, an, wodurch die Einfuhr verringert, und
die Ausfuhr vergrößert wird. Die Geldausfuhr hört daher auf, und
dafür beginnt der Rückfluß des Geldes; diese entgegengesetzte
Strömung setzt sich fort, bis die ausgeführte Milliarde wieder im
Lande ist. Auf der anderen Seite ruft die ins Ausland geflossene
Milliarde in dem Lande, das sie erhalten hat, die umgekehrten Er
scheinungen hervor; Überfluß und Wertverminderung des Geldes, Preis
erhöhung, Prämien auf die Einfuhr und Verlangsamung der Ausfuhr.
Von beiden Seiten arbeiten daher die wirtschaftlichen Kräfte daran,
die Handelsbilanz in die Gleichgewichtslage zurückzuführen, nämlich
in die Lage, in der jedes Land die für seine Bedürfnisse nötige
Menge Geldes besitzt, weder mehr noch weniger. <
Man könnte einwerfen, daß dieser ein wenig verwickelte Mechanis
mus leider nur langsam seine Wirkung ausüben kann, und daß viel
Zeit vergehen wird, bevor die Warenpreise den Einfluß der Flucht
des Geldes fühlen werden. Allerdings, aber es ist nicht notwendig
zu warten, bis diese Erscheinung eintritt; eine andere geht ihr voraus
und kündigt sie an, und zwar, wie schon A. Smith erwähnt hatte:
“der Kurs der auf das Ausland gezogenen Wechsel steigt. Dieser
Kurs ist eine Wage von besonders feiner Empfindlichkeit,’ und die
Erhöhung des Wechselkurses genügt allein schon, auch wenn sie nur
einige Centimes beträgt, um die Ausfuhr zu fördern und die Einfuhr
zu verlangsamen (s. hierüber auch oben S. 95).
1 So verläßt das Geld das Land nicht oder verläßt es nur auf kurze
Zeit, was darauf hinausläuft, daß, im Gegensatz zu der so fest ein
gewurzelten Meinung, weder Gold noch Silber irgendeine Rolle im
internationalen Handel spielen. Ihre Aufgabe beschränkt sich, wie
die des Öles, darauf, die Räder zu schmieren. Der ganze Handel
geht vor sich, als ob kostbare Metalle überhaupt nicht existierten,
und als ob der Handel zwischen Land und Land sich
darauf beschränkte, ihre gegenseitigen Erzeugnisse
naturaliter auszutauschen 1 ).
l ) „Gold und Silber werden von der Handelskonkurrenz zwischen den ver
schiedenen Völkern der Welt in dem Verhältnis verteilt, wie es sich aus dem natür
lichen Güterverkehr ergibt, der bestehen würde, wenn es solche Metalle nicht gäbe