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Zweites- Buch. Die Begründer.
ihm den hervorragenden Platz wiederzuverschaffen, auf den es in der
sozialen Literatur des neunzehnten Jahrhunderts ein unbestreitbares
Anrecht hat.
Die Doctrinede Saint-Simon gipfelt ganz und gar in einer
Kritik des Privateigentums.
Zum Zweck dieser Kritik kann sich der Volkswirtschaft!er auf
zwei verschiedene Gesichtspunkte stellen: erstens auf den der Ver
teilung und dann auf den der Erzeugung der Güter, — auf den
Gesichtspunkt der Gerechtigkeit oder auf den der Nützlichkeit. Die
„Doctrine“ greift unser soziales System von beiden Seiten zugleich
an und faßt schon die meisten der Argumente, die im Laufe des
19. Jahrhunderts dagegen gerichtet werden, in ein Bündel zusammen.
In dieser doppelten Aufgabe lehnt sie sich übrigens gerade an di&
Ideen Saint-Simon’s an.
a) Saint-Simon hatte in der neuen Gesellschaft die Müßiggänger
den Arbeitern gegenübergestellt. Der „Industrialismus“ hat keinen
Platz für die ersteren; nur die Fähigkeit und die Arbeit geben hier
im Prinzip ein Anrecht auf eine Entlohnung. Durch einen merk
würdigen Mangel an Folgerichtigkeit jedoch betrachtet Saint-Simon
das Kapital als einen persönlichen „Einsatz“, der eine besondere
Entlohnung rechtfertigt. Hier nun setzen die Saint-Simonisten ein.
Ist es nicht offenbar, daß das Privateigentum an Kapitalien das letzte
der Privilegien vorstellt? Die Revolution hat die Kasten vorteile
verschwinden lassen; sie hat das Recht des Ältesten, das in der
Familie die Ungleichheit heiligte, abgeschafft. Aber sie hat das
persönliche Eigentum beibehalten, — das Eigentum, das das unge
rechteste aller Privilegien ausmacht, das Recht des Eigentums „eine
Abgabe von der Arbeit anderer zu erheben“! Denn in diesem Rechte,
ein Einkommen ohne Arbeit einzustreichen, definiert sich für die
Saint-Simonisten das Eigentum J ). „Im gewöhnlichen Sinne des Wortes
bedeutet Eigentum die Güter, die nicht dazu bestimmt sind, sofort
verbraucht zu werden, und die heute ein Recht auf ein Einkommen
geben. In diesem Sinne umfaßt es Grund und Boden und Kapitalien
d. h. in der Sprache der Ökonomisten den Produktionsfonds. Für
uns sind der Grund und Boden und die Kapitalien, welcher Art sie auch
seien, ARBEITSMITTEL, die Grundbesitzer und die Kapitalisten
(zwei Klassen, die in dieser Hinsicht nicht voneinander unterschieden
werden können) die TREUHÄNDER DIESER PRODUK
TION S MI T TEL; ihre Aufgabe besteht darin, sie unter die Arbeiter
zu VERTEILEN. Diese Verteilung geschieht auf Grund von
Handlungen, die zu Zinsen, Miete und Pacht Anlaß geben“ 1 2 )-
1 ) Doctrine de Saint-Simon, S. 182.
2 ) Ebenda, S. 190 ff.