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Drittes Buch. Der Liberalismus.
die 1 wirtschaftlichen Gesetze, das der Konkurrenz, des Wertes usw.,
den Produzenten dennoch dazu, Altruist zu sein, so gerne er auch
Egoist wäre; sie halten ihn zum Wohle aller zum Narren. Er
glaubt, daß seine Arbeit auf den größtmöglichen Profit für ihn selbst
abziele, aber in Wirklichkeit arbeitet er, um möglichst wirtschaftlich
die Bedürfnisse anderer zu befriedigen.)! Hierin liegt die Harmonie.
In allen verwickelten, wirtschaftlichen Fragen muß man daher
als einziges Kriterium das folgende annehmen: welche Lösung ist
die vorteilhafteste für den Verbraucher? — und niemals darf man
fragen, wie man es gewöhnlich tut: was wird für den Produzenten
am vorteilhaftesten sein? Handelt es sich z. B. um den inter
nationalen Handel, so sucht man heutzutage das Interesse des Pro
duzenten und errichtet Schutzzölle: man muß aber das Interesse des
Verbrauchers verfolgen, und sofort erscheint der Freihandel geboten.
Oder, wenn es sich um öffentliche oder private Ausgaben handelt,
z. B. um zerbrochene Fensterscheiben 1 ), um verschossenes Pulver, so
hat man das Interesse des Produzenten im Auge und entschuldigt
oder billigt sogar diese Ausgaben: man muß aber den Verbraucher
im Auge halten, und dann wird man ohne Zögern diese Zerstörung
von Gütern verurteilen, da sie unnützen Verbrauch vorstellen.
Bastxat begnügt sich nicht damit, die wirtschaftliche Vorzugs
stellung des Verbrauchers festzustellen: er will für ihn auch eine
moralische Vorzugsstellung nachweisen. „Wenn die Menschheit sich
vervollkommnet,“ sagt er, „so geschieht das nicht durch Versittlichung
des Produzenten, sondern des Konsumenten“ 2 * * ). So behauptet er z. B.,
daß es der Verbraucher und nicht der Produzent ist, der für schäd
liche Produktionen, wie z. B. die des Alkohols, verantwortlich ist 8 ).
Dieser von Bastxat der Wissenschaft geleistete Beitrag erscheint
uns nun Von der größten Bedeutung. Er ist vielleicht der, der von
seinen Werken den längsten Bestand haben und ihm seinen Platz
unter den großen Volks wii’tschaftlera sichern wird. Er irrte sich
nicht, als er auf seinem Sterbebette seinen Schülern das Wort,
novissima verba, als letzte Lehre hinterließ; ‘Die Nationalökonomie
muß vom Gesichtspunkt des Verbrauchers aus behandelt werden.“
Hierdurch unterscheidet er sich von seinem großen Gegner Peoudhon,
der im Gegenteil stets nur den Produzenten im Auge gehabt hat. y
punkte der Verbraucher studiert werden, wenn man ihre allgemeinen und beständigen
Wirkungen begreifen will“ (Harmonies, Kap. XI, S. 414).
M Siehe das Pamphlet: La Yitre Cassee, eine der bekanntesten kleinen
Schriften Bastiat’s.
2 ) Harmonies, Kap. VI, S. 419
s ) Von seinem Freunde Paillotbt in dem Vorwort zu den (Euvres com-
plttes angeführt.