Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Drittes  Buch.  Der  Liberalismus.

Nur,  bleibt  nach  dieser  Theorie  der  Wert  der  ausgetauschten
Produkte  unbestimmt.  Er  wird  irgendwo  zwischen  den  reellen
Produktionskosten  der  ausgeführten  Waren  und  den  virtuellen  Produktionskosten ­
  der  eingeführten  Ware  liegen,  so  daß  für  jedes  der
beiden  Länder  eine  Ersparnis  herauskommt;  aber  das  ist  auch  alles,
was  man  darüber  sagen  kann.  Stüaet  Mill  geht  nun  einen  Schritt
weiter.  Er  gibt  den  Vergleich  der  rein  abstrakten  Produktionskosten ­
  auf,  der  auch  keinen  praktischen  Maßstab  ergeben  kann,  und
sagt,  daß  der  Wert  des  eingeführten  Produktes  sich  durch  die
Menge  des  ausgeführten  Produktes,  das  dafür  ausgetauscht
werden  muß,  bestimmen  läßt 1 ).  Man  muß  daher  die  Ursachen
suchen,  die  einem  Lande,  z.  B.  England  gestatten,  eine  mehr  oder
weniger  große  Menge  Wein  im  Austausch  für  Kohle  zu  erhalten.
Oder  mit  anderen  Worten,  das  Gesetz  der  internationalen  Werte  ist
nicht  mehr  das  Gesetz  der  verglichenen  Produktionskosten,  sondern
das  Gesetz  des  Angebotes  und  der  Nachfrage.  Die  Preise  der  beiden
Waren  stellen  sich  in  der  Weise  ein,  daß  sich  die  von  beiden
Ländern  nachgefragten  Mengen  ausgleichen.  Es  ist  selbstverständlich, ­
  daß,  wenn  die  Kohle  in  Frankreich  viel  mehr  nachgefragt  ist,
als  der  Wein  in  England,  England  eine  viel  größere  Menge  Wein
gegen  seine  Kohle  erhalten  kann  und  sich  daher  in  einer  höchst
vorteilhaften  Lage  befindet.
Die  Theorie  Stüaet  Mill’s 2 )  stellt  daher  in  dem  Sinne  einen
Fortschritt  gegenüber  der  Eicaedo’s  dar,  daß  sie  uns  zu  sagen  gestattet, ­
  in  welchem  Fall  ein  Land  vom  Gesichtspunkt  der  Nachfrage
überflügelt.  Würde  es  nicht  im  Interesse  Beider  liegen,  daß  der  geschickterere
Arbeiter  sich  hauptsächlich  mit  der  Herstellung  von  Hüten  befasse?“  (Bioardo,
Op.  cit.-S.  107,  Anm.)
In  gleicher  Weise  würde  England  Vorteil  darin  finden  können,  seine  Kohle
gegen  französische  Tuche  auszutauschen,  auch  wenn  in  der  Hypothese  England  dieses
Tuch  mit  weniger  Arbeit  als  Frankreich  herstellen  kann.
*)  „In  jedem  Lande  hängt  der  Wert  einer  fremden  Ware  von  der  Menge  einheimischer ­
  Produkte  ab,  gegen  die  sie  ausgetauscht  werden  kann“  (Principles,
B.  III,  Kap.  18,  §  1).
2 )  Stüaet  Mill  hatte  diese-Theorie  zuerst  in  seinen  Essays  über  einige
ungelöste  Fragen  der  Volkswirtschaft  dargelegt.  Er  gibt  eine  verwinkeltere
und  anscheinend  genauere  Ausführung  (er  wendet  sogar  eine  algebraische  Formel
an,  in  seinen  Principles  Bd.  II.  B.  III,  Kap.  18,  §7).  —  Im  Grunde  genommen
sind  alle  diese  Schlußfolgerungen,  die  sich  ebenso  wie  die  Uicakdo’s  auf  die  Hypothese
eines  Austausches  zwischen  zwei  Personen  aufbauen,  reine  Abstraktionen  ohne
praktische  Bedeutung.  Denn  in  Wirklichkeit  ist  der,  der  einführt  und  der,  der  ausführt, ­
  nicht  derselbe,  und  die  Vorteile,  die  der  eine  in  seinem  Import  sucht,  sind
ohne  jede  Beziehung  zu  denen,  die  der  andere  in  seinem  Export  erstrebt.  Allerdings
führt  die  Gesamtheit  der  Ein-  und  Ausfuhr  dazu,  mehr  oder  weniger  ein  Gleichgewicht ­
  herzustellen,  auf  Grund  des  Zuflusses  oder  Abflusses  des  Bargeldes,  was
aber  ein  anderes  Problem  ist.
            
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