2. Kap. Volkszahl und Volkswachstum 281
Staaten von Amerika sind in dem betrachteten Zeitraum von 1841
bis 1900 18,7 Millionen Menschen eingewandert. Damit hängt es
dann vor allem zusammen, daß — wie wir oben gesehen haben —
die Zuwachsrate in diesen Zuwanderungsgebieten so groß und die
Verdoppelungsperiode der Bevölkerung so kurz ist. Wenn auch,
wie schon hervorgehoben, für die ganze Erde Geburtenüberschuß
und Volkswachstum zusammenfallen, so gilt das nicht für die einzelnen
Staaten, für die demgemäß der Wandergewinn’ oder der
Wanderverlust, unter dem Gesichtspunkt des Bevölkerungsproblems
betrachtet, eine wesentliche Rolle spielen kann. Vergleicht
man das Volkswachstum einzelner Staaten miteinander, so treten
auch neben den rein wirtschaftlichen und sozialen Problemen, die sich
dabei ergeben können, noch solche anderer Natur auf. Je nachdem das
Wachstum eines Volkes demjenigen anderer Völker gegenüber stärker
oder geringer ist, können sich damit in nationaler und politischer
Beziehung beträchtliche Wandlungen für ein Volk ergeben. Schon
vom Beginn des 19. Jahrhunderts ab haben sich hier in Europa
große Änderungen vollzogen, wie die folgende Tabelle dartut. Es
entfielen von 10000 Einwohnern Europas auf die folgenden Länder
in den Jahren: Einwohner !)
Rußland
Deutsches Reich
Großbritannien u.
Irland
Frankreich
Italien
Spanien
Belgien
Niederlande
Schweden
Schweiz
Dänemark
Norwegen
1800 | 1840| 180 | 1860 zöyo 1880 | 1890 | 1900 | 1905 | 1025
2702
1238
2078
12305
2215
1206
2254 | 2208
1329 | 1334
2390
1337
2518
13564
880
1433
966°
639
1084
1331
289
55
1084 | 1042
7211! 1263
898‘ ?87
1048
"204
873
"A530
1068
1131
853
*r '
105611053 1051
1057| 973 | 935
841 gr | 799
489 465 455
. +Er -3
953
806
800
438
134
147
120
78
67
55 | 55
AN
{U
1
=
5.
An
RS
RN
x6
Es ist leicht erklärlich, daß man auch vielfach unter dem Gesichtspunkt
solcher Wandlungen, in dem zahlenmäßigen Gewicht
der einzelnen Völker, das Volkswachstum und seine Tendenzen betrachtet
hat, daß man das auch noch heute tut und daß dann auch
1} Bis 1905 die Zahlen nach Sundbärg, a. a. O., von da an neu berechnst.
Dabei sind die älteren Zahlen keineswegs für alle Staaten gleich zuverlässig.