534
Viertes Buch. Die Abtrünnigen.
i
bewundern das große Werk, das er durcligefiihrt hat. Sie sind ihm
für die wirklich revolutionäre Rolle (so drücken sie selbst sich aus),
die er gespielt hat, unendlich dankbar, wie auch dafür, daß er das
Nest so gut hergerichtet hat, in dem der Kollektivismus sich, fast
ohne etwas daran ändern zu müssen, wird einrichten können 1 ).
Jedoch erheben dieMarxisten gegen eben diese Ökonomisten der klas
sischen Schule eine große Anklage. Sie werfen ihnen vor, nicht erkannt
zu haben — weil sie nämlich ein konservatives und bürgerliches Interesse
daran hatten, es nicht zu sehen, — wie relativ und vorübergehend der
Charakter der sozialen Ordnung, die sie studierten, sei. Glaubten und
lehrten sie doch z. R, daß das Eigentum und das Lohnsystem endgültige
Einrichtungen wären! Sie haben sich eingebildet, daß die Welt für
immer in dem jetzigen, dem bürgerlichen Zustande bleiben würde
• und haben sich gegen die Erkenntnis verschlossen, daß er nur eine
„historische Kategorie“ sei, die vergehen wird, wie die anderen 2 ).
b) Von den früheren sozialistischen Schulen unterscheidet sich der
Marxismus dadurch, daß er jeden ideologischen Gedanken an Gerechtig
keit und Brüderlichkeit absichtlich ausschaltet, die einen so großen Platz
in der französischen sozialistischen Bewegung eingenommen hatten. Es
handelt sich nicht darum, zu wissen, was am gerechtesten sein wird,
sondern einfach um die Kenntnis dessen, was sein wir d. — „Die theo
retischen Sätze der Kommunisten beruhen keineswegs auf Ideen,... sie
sind nur allgemeine Ausdrücke tatsächlicher, gegebener Verhältnisse 3 ).'“
Und nicht nur im Bereich der Volkswirtschaft legen sie den Tat
sachen eine so überwiegende Bedeutung bei: das Gleiche gilt für sie auch
zur Erklärung aller sozialen Beziehungen, sogar derjenigen, die sozusagen
von erster Ordnung sind, der Politik, der Literatur, der Kunst, der Moral,
der Religion. Alle lassen sich durch Tatsachen des Wirtschaftslebens
erklären; zunächst durch die,- die mit der Produktion in Beziehung
stehen, und unter diesen wieder im besonderen durch die, die die dt o
an seiner Selbstzerstörung, was doch wirklich das non plus ultra eines revolu
tionären Charakters ist!
') „So hat der Kapitalismus die Fragen gelöst, für die die Utopisten umsonst
vollständig eitle Lösungen suchten; so hat er Bedingungen geschaffen, die den
Übergang zu einer neuen sozialen Form gestatten werden; der Sozialismus braucht
weder neue wissenschaftliche Werkzeuge zu erfinden, noch die Menschen ihren
Gebrauch zu lehren“ usw. (Sokbl, Decomposition du marxisme, 8. 41).
2 ) Für die Yolkswirtschaftler „sind die Institutionen des Feudalismus künstliche
Institutionen, die der Bourgeoisie natürliche. Somit sind diese Verhältnisse (die der
bürgerlichen Produktion) selbst von dem Einflüsse der Zeit unabhängige Naturgesetze.
Es sind ewige Gesetze, welche stets die Gesellschaft zu regieren haben. Somit
hat es eine Geschichte gegeben, aber es gibt keine mehr“ (Marx,
Misere de la Philosophie, deutsch von En. Bernstein und K. Kadtsky, Elend
der Philosophie, Stuttgart 1886, S. 115).
^Kommunistisches Manifest, S. 18.