Metadata: Organisation

IV. Staatliche und private Organisation. 
zu vergessen. Und siehe da, der fertige Meister hat alles 
scheinbar vergessen und braucht an gar nichts mehr 
eigens zu denken. Z. B. schon ein gewandter „Vom 
Blatt Spieler" oder ein Orchestermitglied. Er sieht die 
unbekannten Noten, stellt sich mit einmaliger Willens- 
Handlung auf dieses musikalische Objekt ein, erfaßt blitz 
schnell Vorzeichnung, Takt und Tempo und fängt 
auch schon an zu spielen. Der ganze ungeheure Komplex 
von Einzelvorgängen rollt gleichsam automatisch ab; 
die Augenreize durch das Hinwandern des Blickes über 
das Notenblatt erzeugen momentan die richtigen zuge 
hörigen Reflexe in den Fingermuskeln und der Gesamt 
vorgang ist infolge jahrelanger Gewohnheit und Ein 
übung völlig „mechanisiert", trotzdem es eine ziemlich 
hohe und anstrengende geistige Leistung ist. Alles, 
was einst soviel Einzelwillen erforderte, ist verschlun 
gen in eine Gesamtleistung die gar nicht mehr als 
besondere „Tat" erlebt wird. 
Natürlich ist das keine wirkliche völlige Mechani 
sierung, sondern Denken und Wille überwachen gleich 
sam das Ganze, jederzeit bereit einzugreifen, falls es 
nötig sein sollte. Und ursprünglich war einmal volle 
Überlegung und Aufmerksamkeit nötig; der Anfang des 
ganzen Prozesses ist persönliche bewußte Tat, nur das 
spätere Resultat Einübung und Gewohnheit. Das 
selbe Verhältnis finden wir, wenn wir unsere Handlun 
gen ethisch beurteilen; anfangs findet der „Kampf der 
Motive" statt, der Entschluß zur „Tugend", die sittliche 
Tat; aber das Ziel aller praktischen Moral ist, daß das 
Gute gleichsam von selbst geschieht, keiner Anstrengung 
mehr bedarf und der Anblick z. B. von Leiden wie 
automatisch den Wunsch auslöst zu helfen. Daß das
	        
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