Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

56

Erstes  Buch,  Die  Begründer.

fluß  hat,  ist  für  sie  ohne  Nutzen,  und  daher  ohne  Wert,  während  das,
was  ihr  fehlt,  für  sie  einen  großen  Nutzen  und  folglich  einen  großen
Wert  vorstellt.  Jeder  erscheint  daher  am  Markt  mit  einer  ihm  nutzlosen ­
  Sache  und  verläßt  ihn  mit  einer  nützlichen 1 ).  Folglich  ist  die
Behauptung  der  Physiokraten,  daß  der  Tausch  niemanden  Nutzen
bringt,  oder  zum  mindesten,  daß  der  Gewinn  des  einen  den  Verlust
des  anderen  bedeutet,  vollkommen  falsch.  Wohl  versuchen  die  Physiokraten ­
  und  besonders  Le  Teosne  eine  Erwiderung,  aber  infolge  der
Gründe,  die  wir  oben  gegeben  haben  (S.  52),  konnten  sie  nicht  zu
einem  Verständnis  dieses  subjektiven  Charakters  des  Wertes  gelangen. ­

<  Diese  Theorie  sollte  noch  einen  anderen  Grundirrtum  der  Physiokraten ­
  berichtigen  und  die  Wissenschaft  einen  weiteren  großen  Schritt
vorwärts  bringen,  indem  sie  eine  Erklärung  der  Produktion  gab.
Wenn  der  Wert  nur  im  Nutzen,  und  der  Nutzen  selbst  nur  in  einer
bestimmten  Beziehung  zwischen  den  Dingen  und  unseren  Bedürfnissen
besteht:  was  heißt  erzeugen  dann  anderes,  als  diese  Beziehung
zwischen  den  Dingen  und  unseren  Bedürfnissen  schaffen?  Stellt  nun
aber  die  Natur,  der  Boden  diese  Beziehung  her?  —  Sehr  selten.
„Sie  bringt  hauptsächlich  Dinge  hervor,  die  für  uns  nutzlos  sind  und
von  denen  wir  keinen  Gebrauch  machen  können.  (Eine  gedankenvolle
Bemerkung,  die  den  Enthusiasmus  der  Physiokraten  für  die  Alma
parens  stark  hätte  abkühlen  müssen!)  Durch  die  menschliche  Arbeit
erhalten  die  Dinge  erst  Formen,  die  sie  nützlich  machen.  —  Erzeugen
bedeutet:  Stoff  umformen 2  3  *  * ).“  Welcher  Unterschied  besteht  dann  aber
zwischen  der  landwirtschaftlichen  und  industriellen  Produktion?
Keiner.  Die  eine  wie  die  andere  formt  nur  das,  was  besteht,  um 8 ).
'Weiterhin  führt  Condtllac  sehr  gut  aus,  daß,  gerade  so  wie  die
Industriearbeiter  und  die  Grundeigentümer  von  den  Landwirten  abhängig ­
  erscheinen  und  es  auch  wirklich  sind,  auch  diese  nicht  weniger
auf  die  Industriellen  angewiesen  sind.'  „Die  Frage,  ob  die  Landwirtschaft ­
  der  Industrie  oder  die  Industrie  der  Landwirtschaft  vor-*)

  „Die  Annahme,  daß  man  stets  Wert  gegen  Wert  tauscht,  ist  falsch.  Im
Gegenteil,  jeder  der  Tauschenden  gibt  stets  etwas  geringeres  für  etwas  mehrwertiges.
—  Der  Vorteil  ist  gegenseitig,  woher  es  wohl  kommt,  daß  man  von  einem  Tausch
„Wert  gegen  Wert“  spricht.  Man  ist  aber  wenig  folgerichtig  vorgegangen,  denn
gerade  deshalb,  weil  der  Vorteil  gegenseitig  ist,  hätte  man  schließen  müssen,  daß
jeder  weniger  für  mehr  gibt  (Op.  cit.  S.  55/66).  Man  vergleiche  dieses  Zitat
mit  dem  von  Le  Teosne  (S.  30,  Anm.  2),  und  man  wird  die  psychologische  Überlegenheit ­
  bemerken.
,  2 )  Op.  cit.  I.  Teil,  Kap.  IX.
3 )  „Wenn  die  Erde  mit  Erzeugnissen  bedeckt  sein  wird,  so  wird  es  doch  nicht
mehr  Substanz  als  vorher  geben;  sie  hat  nur  neue  Formen,  und  in  diesen  Formen
besteht  eben  der  ganze  Reichtum  der  Natur“  (Op.  cit.,  ibid.).
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.