aufgenommen zu werden und andererseits auch die nordamerikanische Union ihre
Monroe-Doktrin so auszulegen beginnt, daß Südamerika zu ihrer Einflußsphäre gehört
und ihre ureigne Kolonie bedeutet, dürfte es für Deutschland der richtige Moment sein,
offenkundig Partei für Argentinien zu ergreifen und seine dauernde wirtschaftliche
Selbständigkeit zu stützen und zu sichern. Es ist schließlich auch nicht unwahrscheinlich,
daß das Dr. Frers’sche Gesetzesprojekt für eine argentinische Siedlungsbank, über das
wir in der vorigen Nummer ausführlich berichteten, die argentinische Regierung veranlaßt
hat, vom Farquhar'schen und englischen Angebot Abstand zu nehmen, in der Hoffnung,
daß mit anderem europäischen und womöglich deutschem Kapital mit Hilfe dieser Bank
sich ebenso gute Resultate erzielen lassen. Das in Argentinien arbeitende deutsche
Kapital wurde nach einer amtlichen Denkschrift des Reichsmarineamtes vor mehreren
Jahren wohl zu niedrig auf 800 000 000 Mark berechnet. Wir hatten uns im September-
heft unserer Mitteilungen der Meinung der Herren A, B. Martinez und Dr, Lewandowsky
angeschlossen und für 1910 1 000 000 000 Mark angenommen. Wir haben aber trotzdem
die deprimierende Beobachtung gemacht, daß das deutsche Großkapital den meisten
großzügigen weltwirtschaftlichen Unternehmungen in Argentinien noch immer zaghailt
gegenübersteht und ebenso die deutsche Presse, die, im allgemeinen gesprochen, sich
leider noch immer nicht daran gewöhnen kann, Argentinien aus der Liste der sogenannten
„exotischen“ Länder zu streichen. Der dadurch fur die deutsche Volkswirtschaft an-
gerichtete Schaden ist unermeßlich.
Das Farquhar-Syndikat begann im August v. Js. 140556 Aktien der Compania
Industrial Paraguaya von der Mercantile-Bank zu kaufen und kontrolliert heute die
ganze Companie, welche 2019375 Hektar Wald und Weideland besitzt, d.h. fast ganz
Paraguay zwischen dem Wendekreis und dem 25° südlicher Breite und zwischen dem
54'/2° und 56'/2° westlicher Läge. Außerdem kaufte es 309 375 Hektar Land von den
Herren Cook & Lumb; ferner 2512500 Hektar Land im Paraguay Chaco von der
Carlos Casado Companie; im ganzen also besitzt das Farquhar-Syndicat ca. 5000000 ha
Land in Paraguay. Es besitzt, wie schon erwähnt, aber auch in Brasilien
ca. 6 000 000 ha Land.
Wir müssen noch erwähnen, daß das Farquhar'sche Syndikat in Hinblick auf die
zu erwerbenden Argentinischen Staatsbahnen einen Gleisumbau behufs einheitlicher
Beförderungsweise auf allen seinen Bahnen vorgesehen und dementsprechend wohl
auch die oben erwähnten Ländereien zu erwerben gesucht hatte, die mit Quebracho
bestanden, ihnen auch die nötigen Millionen von Eisenbahnschwellen auf eigenem ‚Boden
liefern würden. Mit dieser Idee dürfte, wie gesagt, das Farquar’sche Syndikat in erster
Linie an den Kauf der Riesenländereien im Paraguayischen Chaco herangetreten sein,
allerdings wohl auch mit dem nicht weniger bedeutenden Gedanken, diese Ländereien
der Viehzucht und Fleischproduktion und in dritter Linie der Kolonisation zu
widmen, in der richtigen Voraussicht, daß der Fleischbedarf in der Zukunft in der
ganzen Welt zunehmen und .in vielleicht nicht zu ferner Zeit hauptsächlich von Süd-
amerika werde gedeckt werden müssen, Es ist nicht ausgeschlossen, daß hierfür auch
die großen in Argentinien zum Teil niedergelassenen Fleischetablissements Nordamerikas
schon ihre Hände mit im Spiel gehabt haben. Die Tatsache, daß Farquhar die süd-
brasilianischen, uruguayischen und selbst bolivianischen Bahnen kontrolliert und
sie untereinander in Verbindung zu bringen sucht, dabei auch Hafenplätze in Brasilien
und Uruguay als Endpunkte seiner Bahnen ins Auge faßt, mag vielleicht auch die
argentinische Regierung auf den Gedanken gebracht haben, daß selbst die wirtschaftlichen
Interessen ihrer nördlichen Gebiete von argentinischen Häfen ab nach den Häfen der
Nachbarländer verlegt werden könnten, wodurch eine gewaltige Verschiebung zunächst
der ökonomischen Faktoren des nördlichen argentinischen Wirtschaftslebens‘ und
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