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nicht einmal 1 °/ 0 der ordentlichen Einnahmen 1 ). Dies erklärt sich
historisch daraus, daß in der Provinz Mailand die Mietsteuer, die in
den kleinen Orten naturgemäß nur sehr geringe Erträge liefert, gegen
über der Familiensteuer bei weitem vorherrscht.
c) Beurteilung.
Bei der Beurteilung der Familiensteuer ist davon auszugehen,
daß ihre konkreten Erscheinungsformen durchaus nicht homogen und
gleichwertig sind. Sie tritt in mannigfachen Entwicklungsstufen der
Personalsteuern auf. Von der rohen Form der Kopfsteuer steigt sie
durch verschiedene Zwischenstufen hindurch zur entwickeltsten Subjekt
steuerform, zur allgemeinen Einkommensteuer auf, ohne diese selbst,
wie bei der deutschen Einkommensteuer, in ihrer technischen Voll
endung zu erreichen. In manchen Gemeinden ist sie ein bloßer Zu
schlag zu anderen Steuern.
Die Steuer teilt demnach, von letzteren Fällen abgesehen, die
Vorzüge und Mängel der Personalsteuern in ihren mannigfachen
Differenzierungsformen. Sie ist ihrem Wesen und ihrer Wirkung nach
eine Kopfsteuer oder kommt ihr wenigstens sehr nahe, wo sie in einem
Einheitsbetrag oder doch nur ganz roh abgestuft zu entrichten ist.
Bei sehr geringer Differenzierung des Sozial- und Wirtschaftslebens
und der Einkommen vermag sie in dieser Form wohl den geringen
Ansprüchen zu genügen und wirkt durchaus nicht ungerecht. Sie hat
den Vorzug der Einfachheit der Erhebung und der leichten Kontrolle.
Sie wird aber unzulänglich, wirkt ungerecht und muß verfeinerten
Steuerformen weichen mit steigendem Steuerbedarf und der Notwendig
keit, die Abgabe nach der Leistungsfähigkeit der Steuersubjekte besser
abzustufen.
In dieser rohen Form begegnet die Familiensteuer indes nur
selten. Sie ist vielmehr meistens eine Klassensteuer, eine verfeinerte
Personalsteuerform. Der Differenzierung des Sozial- und Wirtschafts
lebens, der Vermögen und der Einkommen sucht sie in dieser Gestalt
durch eine nach äußeren Merkmalen der Leistungsfähigkeit abgestuftes
Klassenschema zu entsprechen. Auch in dieser Form hat sie ihre
relative Berechtigung. Wo die verschiedenen sozialen Schichtungen
leicht voneinander zu unterscheiden und nicht zu sehr differenziert,
die wirtschaftlichen Verhältnisse der einzelnen leicht zu übersehen
*) Nach den Berechnungen in der amtlichen Statistik für 1907.