Full text : Die Regierung im Kampfe gegen die Sozialverischerung

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elöst  haben.  Nur  aus  diesem  Grunde  sucht  man  mit  einigen  winzigen  Pflästerjen
  in  den  Bezirksstellen  das  Wirtschaften  auf  Regimentsunkosten  zu  erschweren,
vergebliche  Mühe!  Wenn  die  Arbeiten  zurückbleiben  werden,  dann  wird  die
olitische  Behörde  genötigt  sein,  die  von  ihr  genehmigten  Voranschläge  über  die
iZahl  der  Beamten  zu  revidieren.  Und  wenn  die  Vorstände  der  Bezirksstellen
7-ie  unzufriedenen  Angestellten  an  die  Regierung  verweisen  werden,  dann  bin  ich
essen  sicher,  daß  diese  dem  Ansturm  auch  bezüglich  der  Höhe  der  Bezüge  nicht
iandhalten  wird.  Dennoch  scheinen  solche  Zwirnsfäden  dem  versicherungstechnischen
Departement  geeignet,  die  Besorgnisse  gründlich  zu  zerstreuen,  die  bezüglich  der
Ökonomie  der  Bezirksstellcn  geäußert  worden  sind!  Ich  glaube,  daß  die  staatiche
  Bureaukratie  die  letzte  ist,  die  den  Beruf  hat,  als  Wächterin  einer  sparsamen
Verwaltung  aufzutreten.

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Wie  s  i  ch  die  Regicruugsfachleute  die  Verwaltung  seinrichtungen
  der  Krankenkassen  vorstellen.
Die  Regierungsvorlage  weiß  noch  etwas  mehr  gegen  die  Kritiker  vorzu-»ringen.
  Wir  erfahren,  daß  nach  dem  Koerber'schen  „Programm"  die  Kränkendsten ­
  zweierlei  Agenden  streng  von  einander  getrennt  zu  besorgen  gehabt  hätten:
»ic  vorbereitenden  (Melde-,  Evidenz-,  Beitragswcscn)  einerseits  und  die  Nntertützungsangelcgenheiten
  andererseits.  Jede  geordnete  Krankenkasse,  so  wird  veründet,
  müßte  diese  Agenden  in  zwei  Abteilungen  besorgen,  die  strenge  von  cinmder
  getrennt  sind  und  fast  nichts  miteinander  gemeinsam  haben.  Bei  der
Errichtung  der  Bezirksstcüen  werde  es  sich  nun  um  nichts  anderes  handeln,  als
>aß  die  eine  Abteilung  von  der  andern  räumlich  getrennt  und  an  die  Bezirkstellc
  übertragen  werde.  Da  müsse  doch  eine  Verbilligung  der  Verwaltung  bei
cn  Krankenkassen  eintreten,  wenn  sie  lediglich  die  zweite  Abteilung  behalten.
Würde  man  dies  alles  nicht  in  einer  Regierungsvorlage  gedruckt  vor  sich
'ehen,  so  würde  man  nicht  glauben,  daß  es  Fachmänner  sind,  die  solche  Behauptungen ­
  im  Ernst  ausstellen.  Ich  muß  es  aber  aussprechcn,  daß  man  diese
!lrt  von  Fachwissen  nicht  ernst  nehmen  kann.  Man  müßte  sich  eigentlich  darüber
mtsetzen,  daß  Gegenwart  und  Zukunft  unserer  Sozialversicherung  von  solch  profundem ­
  Wissen  abhängt.  Das  Mindeste,  was  man  von  der  amtlichen  Leitung  der
-s  Sozialversicherung  verlangen  kann,  ist  doch  die  Kenntnis  der  tatsächlichen  Veri:
  Ministe.  Wo  in  aller  Welt  hat  die  Regierung  Krankenkassen  mit  so  streng
st  getrennten  oder  auch  nur  trennbaren  zwei  Abteilungen  gefunden?  Diese  gediegenen
Kenntnisse  rühren  offenbar  von  denselben  ministeriellen  „Fachmännern"  her,  die
im  8  10  des  Musterstatuts  für  die  Bezirkskrankenkasscn  anordneten,  daß  die  Vortreibung ­
  und  Zahlung  der  Mitgliedsbciträge  im  vorhinein  zu  erfolgen  habe.
Auch  in  Zukunft  soll  ja  nach  der  Regierungsvorlage  die  Kassenzersplitterung
keine  wesentliche  Einschränkung  erfahren.  Die  Mindcstzahl  der  Mitglieder  soll
bei  den  Bezirkskrankenkasscn  1000,  bei  den  übrigen  Kassenkatcgorien  200  bech
  tragen.  Die  gegenwärtige  Verteilung  der  Mitglieder  auf  die  Kassen  wird  hiedurch
keine  übermäßige  Verschiebung  erfahren,  insbesondere,  wenn  selbständige  landwirtschaftliche ­
  Krankenkassen  errichtet  werden.
Selbst  wenig  erfahrene  Kenner  der  Arbcitervcrsicherung  wissen  nun,  daß
man  auf  1000  Mitglieder  gegenwärtig  als  Normalmaß  einen  Angestellten
annimmt.  Wir  hatten  nun  im  Jahre  1908  nach  der  amtlichen  Statistik
2725  Krankenkassen,  das  sind  über  81  Prozent  aller  Institute,  mit  höchstens
1000  Mitgliedern,  bei  denen  also  lediglich  ein  Angestellter  in  Betracht  kommen
kann,  den  auch  das  versicherungstechnische  Departement  nicht  in  zwei  Abteilungen
wird  auflösen  können.  Dazu  kommen  547  Krankenkassen  mit  1000  bis  5000  Mitgliedern ­
  und  74  Krankenkassen  mit  mehr  als  5000  Mitgliedern.  Die  Fachmänner
            
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