Haushalten und Unternehmen, VI.
I8 5
jenen Worten haftbaren Inhalte so zu definieren, wie es die löbliche
Regel scholastischen Denkens verlangt. Ohne Selbstbetrug, der
beliebige Kürzung zuließe, müßte man da eine tüchtige Hühnerleiter
von Definitionen herunterklettern, bis zum „Undefinierbaren“; vom
Wortestrug, durch den unser Denken von jeder einzelnen Sprosse fallen
könnte, und von der Kalamität des Wortstreites ganz zu schweigen.
Vor allem aber gilt, daß man diese Inhalte entweder nur von Haus
aus als bloße Inbegriffe definieren könnte; was ja häufig genug
geschieht. Oder man müßte umgekehrt im voraus annehmen, daß
hinter dem Worte eine Einheit steht, die unserem Denken irgendwie
gesetzt ist. Dieser Doppelfall entspräche ungefähr der vermeintlichen
Zwickmühle „Nominalismus-Realismus“; die letzteren Ausdrücke in
jener flachen Alltagsmeinung genommen, auf der sich solche Wortpaare
gern ausruhen, nachdem sie durch ungezählte Definitionen durchgehetzt
worden sind. Eine vermeintliche Zwickmühle, weil es doch um
alles nicht nötig ist, gleich im voraus eine Meinung zu fassen, um dann
nach dieser vorgefaßten Meinung die Worte zu behandeln. Man lasse
es doch ruhig auf den einzelnenFall ankommen, soweit es über
haupt von Belang erscheint, der Sache auf den Grund zu gehen. Hier
ist dazu nun Anlaß geboten. Mit der folgenden Darlegung ergreife ich
also weder für den „Nominalismus“, noch für den „Realismus“ Partei;
in dem wesentlichen Sinne, daß ich gerade in solcher Parteilichkeit
den Grundfehler sehe.
Für gewöhnlich haften also jene Inhalte sprachflüssig an Worten.
Dann ist uns das eingeschöpfte Geschehen ganz ungreifbar. Unser
Denken überläßt sich einfach seinem Laufe, es verliert sich gleichsam
in der Jagd seiner Inhalte. Aber wir können einen solchen Inhalt
jederzeit etwas fester beim Wortschopf packen. Dann taucht hinter
dem Lautbilde des Wortes, z. B. also hinter „Unternehmung“, sofort
das erlebte Geschehen empor 1 Zunächst als ein Mancherlei von Hand
lungen, die gleichsam die Stichproben sind ihrer eigenen Wiederkehr;
wir überfliegen damit die ..Muster“ auf den sortierten und irgendwie
eingefächerten Paketen. Freilich setzt dies schon voraus, daß man
solchen Inhalt zu erwischen weiß, statt ganz am Worte zu kleben und
buchstabierend zu denken; daß man nicht über der Vergangenheit des
Wortes die Gegenwart seiner Sache vergißt oder sie doch mißversteht,
die ja mit einem bloßen Inbegriff genau so vorläge. Unser Denken
darf einfach dem Worte nicht aufsitzen. Das ist gewiß kein schöner
Ausdruck, aber die Sache verdient keinen besseren.
Je beharrlicher wir unser Bewußtsein an diesen Inhalt nageln, je
tiefer wir uns in ihn versenken, desto reicher und zugleich geordneter