Metadata: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

Im Flöz Sonnenschein, Kohlennummer 107, wurde im 
August ein Lohn von 6,61 Mk. verdient. Hier wurden ebenfalls 
pro Wagen kohlen ab 1. September 10 Pf. in Abzug gebracht. 
Auf dieser Zeche ist der Schüttelrutschenbetrieb eingeführt 
und handelt es sich jedesmal um 20 bis 30 Arbeiter auf jeder 
Schicht, welche von dieser Lohnreduzierung betroffen werden. 
Auf der Zeche Neu m ü h l, Schacht l/ll, Revier 8, zweite 
Sohle, sind 16 und 20 Pf. für den Wagen Kohlen in Abzug 
gebracht worden ab 15. September mit der Begründung, daß 
im Nebenrevier die Arbeiter auf dasselbe Gedinge auch einen 
anständigen Lohn verdienen. Dabei sind in diesem Revier im 
Monat August Löhne von kaum 6 Mark verdient worden. 
Auf der Zeche Rhein l hat in einer Anzahl von Revieren 
eine Gedingereduzierung stattgefunden. Auch die Schichtlöhne 
sind voni 15. September ab um 30 bis 60 Pf. gekürzt worden. 
Im Revier 3 genannter Zeche wurde das Kohlengedinge 
von 2 Mk. pro Wagen auf 1,80 Mk., also um 20 Pf., gekürzt. 
Vom Metergeld, welches in der Sohlenstrecke 40 Mk. betrug, 
wurden 20 Mark in Abzug gebracht. 
Bemerkt sei noch, daß auf dieser Zeche die Schichtlöhne 6,50 
bis 6,60 Mark betrugen. Die Firma Thyssen liefert viele Kohlen 
an den Staat. 
Ueber die Lohnreduzierungen im Essener und Werdener 
Revier hat sich unser Bezirksbureau in Essen, wie ich 
Ew. Exzellenz bereits während der Audienz am 26. September 
mitteilte, schon beschwerdeführend an das Polizeipräsidium in 
Essen gewandt. In dieser Beschwerde sind Lohnkürzungen von 
den Zechen Viktoria in Kupferdreh, Königin Elisabeth, Herkules 
und Gottfried Wilhelm angeführt. Eine Abschrift dieser Be 
schwerdeschrift liegt bei, weshalb ich mir erlaube, auf den Inhalt 
derselben zu verweisen. 
Hervorheben möchte ich hierbei noch, daß die darin ent 
haltene Klage über das Beseitigen des „Zuschreibens", damit 
der Gedingelohn die Höhe des durchschnittlichen Hauerlohnes 
erreicht, auch in anderen Revieren immer wiederkehrt. Es ist 
auf Privatwerken, ebenso wie auch aus den fiskalischen Zechen 
Usus, daß die Gedingelöhne sehr niedrig gehalten werden. Wird 
dann nicht viel verdient, wird namentlich der Durchschnittslohn 
nicht erreicht, so hält der Steiger die Leute dadurch schadlos, 
ir.dem er ihnen noch verschiedene Leistungen hinzuschreibt. Ent 
weder es werden Nebenarbeiten im Gedinge zugeschrieben, die 
nicht geleistet worden sind, oder es werden auch nicht geleistete 
Schichtlöhne zugeschrieben und dergleichen. Dieses Zuschreiben 
geschieht also ganz willkürlich. Da es jetzt meist nicht mehr
	        
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