Full text: Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russisch-Polen und dem Deutschen Reiche und die sich daraus für den Friedensschluss ergebenden Folgerungen

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Handelsverträge Maßnahmen vereinbart werden, die einem Teil 
der polnischen Industrie — für eine Übergangszeit — noch die 
Möglichkeit eines Absatzes nach Rußland erhalten. 
Auf die deutsche Textilindustrie würde der 
Hinzutritt der polnischen Industrie wohl auch nicht ohne Ein 
fluß sein. Da aber die deutsche Industrie der polnischen über 
legen ist, würden in dieser Hinsicht, zumal wenn der russische 
Markt für die polnische Industrie zunächst erhalten werden kann, 
besondere Befürchtungen einer allzugroßen Konkurrenz wohl nicht 
zu hegen sein. Vielfach wird auch die Ansicht vertreten, daß im 
Falle einer Angliederung Russisch-Polens an Deutschland ein großer 
Teil der polnischen Industrie nach Rußland auswandern würde. 
Für die polnische Eisenindustrie würde eine 
Angliederung Polens an Deutschland weitergehendere Nachteile 
nach sich ziehen, da sie wohl zu einer teilweisen Stillegung der 
Eisenwerke führen würde, soweit diese nicht zur Herstellung von 
Spezialartikeln übergehen. Die polnischen Hütten müßten sich nach 
einer Angliederung an Deutschland und im Falle der Wiederauf 
richtung einer russischen Zollgrenze nach dem Westen derselben 
Hilfsmittel bedienen, wie die deutschen. Sie müßten also außer 
einheimischen überwiegend schwedische Erze verarbeiten und 
würden diese bei ihrer Lage nur unter erhöhten Kosten heran 
bringen können. Sie würden also unwirtschaftlich arbeiten und 
könnten mit den deutschen Hütten nicht konkurrieren. Auch hier 
ließe sich allerdings durch vertragliche Abmachungen mit Ruß 
land — wenigstens für eine Übergangszeit — die bisherige Ab 
satzmöglichkeit erhalten. 
Gewisse Schwierigkeiten würde der Anschluß Polens an 
Deutschland auch für die Z e m e n t i n d u st r i e im Gefolge 
haben, zumal der oben hervorgehobene Umstand, daß die polni 
schen Zementfabriken der deutschen Zementindustrie gegenüber 
z. Zt. nicht konkurrenzfähig sind, mit dem Moment, in dem den 
polnischen Fabriken die vollkommneren deutschen Maschinen zoll 
frei zur Verfügung stehen, sein Ende erreichen würde. Die polni 
schen Fabriken liegen geographisch fast ausnahmslos so, daß sie, 
sobald sie zu Deutschland gehören, und damit der Absatz nach 
Rußland in Fortfall kommt, wie oben ausgeführt, im großen und 
ganzen dasselbe Absatzgebiet wie die schlesischen Fabriken haben 
würden. Es bedarf keiner weiteren Ausführungen, daß dadurch 
eine gewaltige Überlastung des gemeinsamen Absatzgebietes der 
schlesisch-polnischen Fabriken eintreten würde. Diese Schwierig 
keiten fiir die deutsche und die polnische Industrie können 
sedoch dadurch beseitigt werden, daß bei der Neuregelung 
der Zölle zwischen Deutschland und Rußland die Absatz-
	        
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