Full text: Zur wirtschaftlichen Förderung des Handwerks

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beu Jahresberichten kaufmännischer Vereine als eine Erfahrung bei der 
Stellenvermittelung hervorgehoben wird. Auffallend niedrig sind dagegen 
die Gehalte im Detailgeschäst, in welchen vielfach freie Station angeboten 
wird; es fanden sich Stellen ausgeschrieben mit freier Station für Verkäufer 
in Weißwaren und Wäsche mit M. 700—900.— 
in Manufakturwaren mit . . „ 400—600.— 
in Kolonialwaren mit . . . „ 240 (!) 
Diese Angaben erlauben natürlich noch keinen allgemeinen Schluß 
ans die Gehaltsverhältnisse der Handlungsgehülsen, es dürste auch kaum 
gerechtfertigt sein, wie es vielfach in der Presse geschehen ist, ein allge 
meines Dnrchschnittsgehalt von etwa M. 1200.— für dieselben anzunehmen. 
Gerade bei den Fragen des Arbeitslohnes führen summarische Angaben 
leicht irre. Die mitgeteilten Ziffern scheinen aber die behauptete Kalamität 
im Handlungsgehülfenstande zu bestätigen und ihre Unvollständigkeit kann 
als eine Mahnung für die kaufmännischen Vereine dienen, in dieser Be- 
ziehung weiteres Material zu sammeln. Es sei noch darauf hingewiesen, 
daß die zur Durchführung der Jnvaliditäts- und Altersversicherung neuer 
dings behördlich angestellten Lohnermittlnngen sich vermutlich 31t lokalen 
lohnstatistischen Untersuchungen über die Handlungsgehülsen von den ein 
zelnen Vereinen in ihren Jahresberichten verwerten lassen würden. 
Der Arbeitslohn gewährt indessen ohne die Kenntnis der Dauer der 
Arbeitszeit an sich noch keinen sicheren Maßstab zu Beurteilung. Auch 
hinsichtlich der Arbeitszeit finden sich häufiger Klagen als exakte Angaben. 
Ein gewisser Anhalt wird indessen in der Reichsenquete über die Sonntags 
arbeit geboten. In beschränktem Maße findet hiernach Sonntagsarbeit im 
Warengroßhandel und im Geld- und Kredithandel zu Zeiten starker Ge- 
schästsanhäusung statt, sehr drückend aber ist die Sonntagsarbeit im 
Kleinhandel. 
So wird bezüglich der Kolonialwarenhändler mitgeteilt, daß in 
Berlin von „morgens 6 (im Sommer x / 2 0) bis abends V2II Uhr, in 
vielen Geschäften'bis 11 Uhr verkauft werde" und „daß das Personal 
ohne Unterbrechung, selbst ohne Gewährung der für die notwendigen Mahl 
zeiten erforderlichen Zeit thätig sein müsse", „daß die Commis zum Teil 
Sonntags 16—17 Stunden angestrengt zu arbeiten hätten", und „nament 
lich in 'der Materialwaren-, Delikatessen- und Cigarrenbranche jeden Tag, 
Sonntags wie alltags von morgens 5 oder 6 Uhr bis abends 10 oder 
11 Uhr, ja sogar bis I Uhr im Geschäft seien" Magdeburg); auch die 
sächsischen Handelskammern teilen mit, daß die Handlungsgehülfen teil 
weise, je nach der Jahreszeit, 14—16 Stunden beschäftigt seien. Aus 
Württemberg wird berichtet: Wenn man nach den Warengattungen unter- 
fiheidet, so haben am längsten offen die Tabaksläden (bis abends 9 Uhr) 
auch die Spezereilüden (bis 8 Uhr), dann die Tuchgeschäfte (bis 2 oder 
4 Uhr nachmittags), wogegen die Buchhandlungen nur 1—2 Stunden den 
Laden offnen. Die sogenannten Warenabzahlungsgeschäfte halten ihr Ge 
schäft mit Vorliebe bis in die Nacht hinein offen. 
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