Full text : Organisation

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II.  Akratie  und  Aristagie.

wohl  der  Autokratie,  als  der  Ochlokratie  oder  Plutokratie.
  Aber  wie  steht  es  mit  dem  Begriff  der  Demokratie, ­
  der  von  allen  Zusammensetzungen  dieser  Art
am  meisten  in  aller  Munde  ist?  Gerade  er  läßt  sich  als
schon  lange  sinnlos  und  den  heutigen  Verhältnissen
nicht  niehr  entsprechend  erweisen;  und  zwar  was
beide  Teile  des  Wortes  betrifft.  Der  Demos  der
Griechen  war  die  aus  den  freien  Bürgern  bestehende
Volksgemeinde  der  kleineren  Stadtstaaten,  die  so  klein
war,  daß  sie  sich  auf  dem  Marktplatz  versammeln
konnte.  (Von  der  verwaltnngstechnischen  Bedeutung
der  diversen  Demen  ist  hier  natürlich  abzusehen.)  Da
konnte  auch  von  einer  Herrschaft  gesprochen  werden,
nämlich  über  alle  Unfreien,  Sklaven,  Frauen,  Fremde
usw.  Auch  in  einem  heutigen  Dorfe  hat  es  noch  einen
Sinn,  von  einer  Herrschaft  der  Gemeinde  zu  sprechen.
Wir  aber  wenden  das  Wort  gedankenlos  an,  denken
bei  seinem  ersten  Teil  an  das  ganze  Volk,  bei  uns  an
die  siebzig  Millionen  im  deutschen  Reich  vereinigten
Menschen,  und  überlegen  nicht,  daß  dann  nichts  mehr
da  ist,  worüber  das  Volk  herrschen  könnte.
Will  man  etivas  konstruieren,  was  dem  Begriff  einen
Inhalt  gäbe,  so  müßte  man  unter  Demos  heute  nur  die
stimm-  und  ivahlberechtigten  Bürger  verstehen.  Aber
die  Abgabe  eines  Stimmzettels  kann  man  nicht  gut
ein  Kratein,  eine  Machtfunktion  nennen.  Ganz  gezwungen ­
  könnte  man  die  Parlamentsherrschaft  (den  Parlamentarismus) ­
  unter  diesen  Begriff  bringen;  dann
wären  die  Parlamentsmitglieder  der  moderne  Demos,
dessen  Aufgabe  das  Kratein  wäre.  Allein  auch  da  besteht ­
  nicht  einnial  in  der  „freiesten"  Republik  eine
„absolute"  Gewalt;  Ober-  und  Unterhaus,  wie  der
            
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