Full text : Organisation

111.  Das  Führerproblem.

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halb  des  Kulturstaates  jedem,  selbst  dem  Fürsten,  eine
Schranke  seiner  Herrschaft  gezogen.  Hier  ist  die  Aufgabe ­
  mehr  ethisch-psychologisch,  nämlich  die-Bekämpfung ­
  der  Neigung  zur  Herrschsucht,  die  jeder  in  sich
anstreben  muß,  der  in  hohe  Stellungen  gelangt  und  so
Gefahr  läuft,  wieder  die  Akratie  zu  sündigen.  Allein
einzelne  Regeln  lassen  sich  da  nicht  geben;  es  gilt  die
Bezwingung  eines  Triebes,  der  in  vielen  schlummert,
während  andere  gar  keine  Neigung  haben,  jemand
ihren  Willen  aufzuzwingen,  wenn  man  sie  nur  selbst
gewähren  läßt.  So  hat  selbst  Bismarck  einmal  gesagt":
„ich  bin  nie  herrschsüchtig  gewesen;  ich  habe  immer
mehr  das  Bedürfnis,  nicht  zu  gehorchen,  als  das,  anderen
zu  befehlen."  Was  er  da  meinte,  drückt  das  Wünschenswerte ­
  aus,  besonders  wenn  man  statt  „befehlen"  etwa
das  schärfere:  tyrannisieren,  eben  kratein,  einsetzt;
„geführt"  hat  er  immer,  auch  bei  dieser  Ansprache.
Aber  wer  soll  nun  als  Anführer  „befehlen",  agein?
Das  ist  weit  schwerer  zu  sagen.  Zunächst  drängt  sich
da  der  Begriff  „Persönlichkeit""  auf;  die  wertvollen, ­
  bedeutenden,  hervorragenden  Persönlichkeiten.
Leider  ist  nun  dieser  Begriff  an  sich  nichts  weniger  als
klar  und  jeder  denkt  sich  dabei  seine  eigenen  Lieblingstugenden ­
  oder  Werturteile.  Zunächst  ist  eines  klar:
kein  egoistisches  Persönlichkeitsideal,  das  die  Beziehung
zu  den  anderen  vernachlässigt,  kann  hier  dienen;  der
Aristag  steht  ja  nicht  isoliert  in  der  Welt,  sondern  soll
führen;  also  muß  die  Persönlichkeit  willig  und  geeignet
  sein,  eine  Aufgabe  zu  erfassen  und  dabei  voranzugehen. ­
  Die  meisten  Fassungen  des  Begriffes  aber
gehen  von  rein  subjektiven  Standpunkten  aus  und
neigen  dem  zu,  was  man  besser  mit  dem  Wort  Origi ­
            
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