Full text: Organisation

IV, Staatliche und private Organisation. 
85 
lensvorgänge oder „Taten"; im Krieg sind sie häufig, 
im Alltagsleben aber verhältnismäßig selten. Hier 
handeln wir zwar auch, aber meist nach Gewohnhei 
ten; Unzähliges ist durch Übung, d. h. häufige Wieder 
holung ähnlicher Handlungen, so festgelegt, daß ein 
feierlicher Entschluß dazu gar nicht mehr nötig ist und 
erspart werden kann; ja viele unserer Handlungen sind 
uns gar nicht mehr bewußt, wir bewegen uns automa 
tisch oder beantworten einen Reiz durch einen Reflex, 
von dem wir uns gar keine Rechenschaft mehr geben. 
Und das geschieht bei Handlungen, die ursprünglich 
einmal im vollsten Sinne gewollt worden waren; nur 
ist das bei der Gewohnheit unnötig geworden und es 
bedarf gleichsam des Aufwandes von Willenskraft nicht 
mehr. Diese große Ersparnis an geistiger Kraft nennen 
wir nun eine Mechanisierung psychischer Vorgänge 
und sie allein ermöglicht uns, unseren Willen immer auf 
neue Ziele zu lenken und so geistig fortzuschreiten, weil 
alles Unwichtigere mechanisch abläuft. 
Ein gutes Beispiel ist hierfür das Klavierspiel oder 
das Lernen irgend eines Musikinstrumentes. Was muß 
man am Anfang alles „wollen", auf was alles seine 
Aufmerksamkeit richten und bewußt „daran denken"! 
Nicht nur auf die Noten, die Vorzeichnung, das Tempo, 
den Takt, sondern auch auf die Haltung der Hände, die 
Griffe, den Fingersatz, ja endlich den richtigen Gebrauch 
der Füße beim Pedal und gar noch die gute und gerade 
Körperhaltung. Auf jeden einzelnen Punkt macht der 
Lehrer aufmerksam, ermahnt unablässig, stachelt zu 
immer erneutem „Wollen" an und oft verzweifelt der 
Schüler, wie er es fertigbringen soll, an all das gleich 
zeitig zu denken und nichts von den Regeln und Lehren
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.