Full text : Die Konsumtion

Haushaltsrechnungen.

133

§  6

statistische  Regelmäßigkeit  schwerer  nachweisen  lassen;  je  individueller  das  Bedürfnis, ­
  um  so  schwankender  die  Durchschnittszahl.
Innerhalb  der  Nahrungsausgaben  hat  man  eine  mit  dem  Einkommen  steigende
Quote  der  animalischen  auf  Kosten  der  pflanzlichen  Nahrung  beobachtet;  wohl
nicht  nur,  weil  die  animalischen  Nahrungsmittel  teurer,  wohlschmeckender  und  bis
zu  gewissem  Grade  bekömmlicher  sind,  sondern  auch  weil  die  kleinen  Beamten  mit
sitzender  Lebensweise,  die  in  der  reichsdeutschen  Erhebung  stark  vertreten  sind,
und  deren  Einkommen  relativ  hoch  ist,  sie  physiologisch  nötiger  haben.  Aber  auch
mit  zunehmender  Kopfzahl  der  Familie  nimmt  die  vegetarische  Quote  in  der  Nahrung
zu,  weil  die  Ernährung  verbilligt  werden  muß.  Bezeichnend  ist  noch,  daß  nicht  nur
Genußmittel  wie  Tee,  Schokolade,  Kakao,  sondern  auch  Obst  und  Südfrüchte  dem
Engelschen  Gesetze  nicht  unterliegen;  noch  bezeichnender,  daß  mit  dem  Einkommen
die  Ausgabe  für  Kleidung  merklich  schneller  steigt,  als  die  für  Wäsche  und  Bettzeug, ­
  sowie  für  Reinigung  von  Kleidung  und  Wäsche  (reichsdeutsche  Erhebung).
Als  Beispiel  sei  eine  Tabelle  der  deutschen  Erhebung  von  1907  wiedergegeben, ­
  bei  der  wieder  zu  beachten  ist,  daß  auf  den  höheren  Einkommensstufen  die
Lehrer-  und  Beamtenfamilien  relativ  stärker  vertreten  sind,  und  zwar  dies  in  den
kleineren  Orten,  während  in  den  großstädtischen  Haushaltungen,  die  die  große
Mehrzahl  bilden  (701  von  852),  das  Arbeiterelement  überwiegt.  Die  Abstufung  der
Prozentsätze  für  Nahrungs-  und  Genußmittel  und  für  „sonstige  Ausgaben“  ist  besonders ­
  augenfällig.

Familien  mit  einer  Ausgabe  von  .  .  .  Mark

1200

1600

2000

2500

3000

4000

über

zusamWohlhabenheitsstufen ­



unter
1900

bis

bis

bis

bis

bis

bis

5000

1600

2000

2500

3000

4000

5000

men

Zahl  der  Familien

13

171

234

190

103

102

34

5

852

Prozent  der  Ausgaben  für

Nahrungs-  und  Genußmittel

54,2  1

>54,6

51,0

48,1

42,7

38,1

32,8

30,3

45,5

Wohnung  und  Haushalt

20,0  '

17,2

18,0

17,6

18,0

18,5

19,3

14,9

18,0

Heizung  und  Beleuchtung

6,2

4,8

4,5

4,0

3,9

3,6

3,1

3,1

4,1

Kleidung,  Wäsche,  Reinigung

9,2

9,5

11,5

12,6

14,3

14,0

14,7

14,9

12,6

Sonstiges

10,4

13,9

15,0

17,7

21,1

25,8

30,1

36,8

19,8

Von  den  „sonstigen  Ausgaben“  fielen  in  %  der  Gesamtausgaben  auf
bei  Arbeiterfamilien  bei  Beamtenfamilien

Gesundheits-  und  Körperpflege

1,3

3,7

Unterricht

0,6

2,4

Geistige  und  gesellige  Bedürfnisse

4,0

4,5

Staat,  Gemeinde,  Kirche

LI

2,0

Versicherung

3,0

4,0

Verkehrsmittel

1,4

1,1

Persönliche  Bedienung

0,1

1,3

Geldgeschenke  usw.

0,4

0,8

Schuldentilgung,  Zinsen

0,4

1,6

Erwerbskosten

0,4

0,3

Andre  Ausgaben

1,7

2,8

Nicht  verteilte  Naturalien

0,1

0,1

Ersparnisse

1,0

1,3

Für  Zeitungen,  Bücher,  Vereine  gaben  im  Durchschnitt  Arbeiterfamilien  51,47  Mk.,
Beamtenfamilien  66,88  Mk.  aus;  für  Vergnügungen:  Arbeiterfamilien  21,23  Mk.,
Beamtenfamilien  76,12  Mk.  Beide  Posten  zusammen  decken  sich  mit  den  4—4)4%
Ausgaben  „für  geistige  und  gesellige  Bedürfnisse“,  die  in  der  Tabelle  figurieren.  Bei
einer  Aufnahme,  die  das  Berliner  Statistische  Amt  für  908  Berliner  Haushaltungen
(meist  aus  dem  Industriearbeiterstande)  mit  einem  durchschnittlichen  Einkommen
von  1751  Mk.  (1903)  machte,  ergab  sich  für  Vergnügungen  ein  Durchschnittsbetrag
0  Bei  Einkommen  unter  1000  Mark  steigt  die  Quote  der  Nahrungsausgaben,  soweit  die
wenigen  Beispiele  erkennen  lassen,  weit  über  60%  hinaus.  Vgl.  Eulen  bürg,  S.  19.
            
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