« Kap. IX. Analyse des Geldwesens usw.
als ‚solches allgemein anerkannt ist, kommt die Beliebtheit sozusagen
ganz von selbst, ist eine Frucht der neuen Eigenschaft des Gutes.
Die wesentlichen Ansprüche an ein allgemeines Tauschmittel als solches
sind drei, nämlich, daß es leicht aufbewahrbar, leicht transpor-
tabel und. bequem: teilbar. ist.
Soll ein Gut im Tausch genommen werden, nur um später zum Ein-
tausch eines anderen Gutes zu dienen, muß es selbstverständlich leicht
aufbewahrbar sein. Es muß also von jedermann angenommen und ohne
besondere Schwierigkeiten oder Veranstaltungen aufbewahrt werden
können. Diese Forderung bekommt natürlich unter verschiedenen
Wirtschaftsformen eine verschiedene Bedeutung: Vieh kann in einem
Hirtenvolk im allgemeinen von jedem Haushalt angenommen werden,
bei höheren, arbeitsteiligen Kulturformen ist dies aber keineswegs der
Fall. Die allgemeine Aufbewahrbarkeit bedeutet auch ‚eine Dauer-
haftigkeit, die auf ihrer höchsten Stufe Unzerstörbarkeit ist.
Daß ein allgemeines Tauschmittel auch leicht transportabel sein
muß, liegt auf der Hand. Die Forderung auf Transportabilität enthält
auf ihren höheren Stufen die Forderung, daß auch große Wertsummen
durch möglichst kleine Gewichte dargestellt werden, was nur bei
einer hohen Seltenheit des als Tauschmittel dienenden Gutes erreicht
wird.
Die Teilbarkeit ist schließlich eine wesentliche Eigenschaft eines
allgemeinen Tauschmittels, da dieses, um seinen Zweck zu erfüllen, in
beliebigen Quantitäten geliefert werden können! muß. Die volle Teil-
barkeit schließt die Gleichmäßigkeit ein, welch&-verbürgt, daß ver-
schiedene gleich große Stücke als identisch behandelt werden können.
Wenn man sich die Notwendigkeit dieser Forderungen an ein all-
gemeines Tauschmittel vergegenwärtigt, versteht man, daß die Güter,
die wegen ihrer hervorragenden wirtschaftlichen Bedeutung als Stan-
dardgüter für die Preisberechnung ausgewählt waren, nicht immer auch
als allgemeine Tauschmittel dienlich befunden wurden, sondern daß zum
Teil andere Güter zur Erfüllung dieser Funktion in Anspruch genommen
werden mußten. Das allgemeinste und wichtigste Standardgut der pri-
mitiven Kulturen, das Vieh, eignet sich, wie schon bemerkt, auf etwas
höheren Entwicklungsstadien wegen mangelnder ‚„Aufbewahrbarkeit‘‘
schlecht zu einem allgemeinen Tauschmittel. Die Forderung auf Teil-
barkeit erfüllt es überhaupt nicht, und die Transportabilität, besonders
im Seeverkehr, muß lange sehr beschränkt gewesen sein.
; Es ist unter solchen Verhältnissen nur natürlich, daß, sobald das
Bedürfnis nach allgemeinen Tauschmitteln stärker hervortrat, nicht die
alten Haupteinheiten der Preisrechnung, sondern andere Güter, Vor-
nehmlich Metalle und ganz besonders edle Metalle, zur Befriedigung
dieses Bedürfnisses herangezogen worden sind. Die besonderen Vor-
züge‘der edlen Metalle als allgemeine Tauschmittel sind nach dem Ge-
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