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„Parteilosigkeit" oder „Unabhängigkeit", deren sich die Ge
neralanzeiger befleißigen. Infolge ihrer Billigkeit haben die
Generalanzeiger viel zum Rückgang älterer Zeitnngen bei
getragen und neuen Organen der verschiedenen politischen
Parteien starke Konkurrenz gemacht.
b) Zeitschriften.
a) Redaktioneller Teil.
1) Wissenschaftliche Zeitschriften. Die wissenschaft
lichen Zeitschriften sind aus den gelehrten Zeitnngen hervor
gegangen, die in Deutschland gegen Ende des 17. Jahr
hunderts entstanden ^ Zweck der gelehrten Zeitnngen war
es, einem kleineren Zirkel in abgeschlossener Weise und ab
gerundeter Form zu dienen. Zunächst waren sie universal,
sie boten jedem etwas. Auf die geistige Einheit der Wissen
schaft folgte eine fortschreitende Spezialisierung. Eine gelehrte
Universal-Zeitschrift konnte nun nicht mehr allen Ansprüchen
genügen Mehr und mehr wurde daher jedes Fachgebiet der
Wissenschaft und Kunst besonders behandelt. Heute gibt
es für jeden Gelehrtenstand usw mindestens eine Zeitschrift, ?)
in der die Ergebnisse der Forschungen, die Fortschritte der
Entdeckungen mitgeteilt, Gedanken ausgetauscht, Anregungen
gegeben und aus diese Wnse die Verbindungen zwischen den
ö tlich getrennten Gelehrten usw hergestellt werden.
allgemeiner Natur, zusammen, mau druckt dann noch irgend einen
Hintertreppenroman dazu und nennt das zusammen mit einem Packen
Annoncenbcilagen eine Zeitung" (Sienogr. Per. 1898/00 Bd. IIS. 1730 f.
— Äbg. Fischbeck. - Aehnlich Abg. Singer a. a. O. S. 1711 f. und
Abg. Oertel a. a O. S. 1738).
Tie erste Zeitschrift Deutschlands waren die „Fata Erudi-
torum“, die Mencke im Jahre 1682 in Leipzig in lateinischer Sprache
herausgab (Salomon l S. 89, Witkowski S. >85). Äls erste Monats
schrift in deutscher Sprache ließ Thomasins in Leipzig vom Jahre 1688
ab die Schuft „Schertz- und Ernsthaffter, Vernünftiger und Einfältiger
Gedanken usw." erscheinen (Salomon I S. 92, Witkowski S. 203).
2) Dafür verliert „die Publikationsform des Buches ... von
Jahr zu Jahr an Boden" (Bücher, Vw. S. 248). - „Wer heute der
großen Masse etwas zu sagen hat, der muß sich des Sprachrohrs
Zeitung bedienen" (Stoklossa S. 565). - Ueber das Verhältnis der
Zeitung zur Zeitschrift und zum Buche vgl. Bücher, Ztg. S. 551.
Vgl. auch Diez S. 138.