Full text : Der Deutsche Post-Zeitungsgebührentarif

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Zeitungsgebühr  nur  bei  6°/«  der  Blätter  mehr  als  früher
beträgt.  Es  ist  dies  eine  Erscheinung,  die  nicht  anders  als
indirekt  mit  der  Neuordnung  des  Zeitungstarifs  in  Beziehung
gebracht  werden  kann,  indem  die  Reform  allein  schon  ohne
jede  Rücksicht  auf  ihre  Wirkungen  möglicherweise  Anlaß  zu
einer  Preissteigerung  gegeben  hat.
Daß  die  Zeitungsgebühr  für  die  Mehrzahl  der  Tagesblättcr
  —  49%  —  und  namentlich  der  Generalanzeiger  —
83%  —  verteuert  worden  ist,  beruht  auf  den  rationellen
Grundsätzen  des  gemischten  Tarifs.  Es  handelt  sich  bei
beiden  Gattungen  um  die  am  häufigsten,  oft  mehrmals  am
Tage  erscheinenden  Zeitungen,  die  der  Post  am  meisten  Arbeit
verursachen.  Wen»  die  Erhöhung  der  Zeitungsgebühr  verhältnismäßig ­
  häufig  vorgekommen  ist,  so  entspricht  dies  dem
bei  den  Tarif-Reformvorschlägeu  aufgestellten  Grundsatz:  Jede
Zeitung  zahle  nach  den  Anforderungen,  die  sie  an  die  Post
stellt. 1 )  Bei  den  Tagesblättern  bewegt  sich  der  Aufschlag
vorwiegend  —  bei  39%  —  zwischen  1  und  50%,  bei  den
Generalanzeigern  beträgt  er  zum  großen  Teil  —  bei  54%  —
mehr  als  50%,  bei  26%  sogar  über  100%.  Eine  bemerkenswerte ­
  mittelbare  Folge  der  Belastung  des  öfteren  Erscheinens
der  Zeitungen  ist  es,  daß  von  den  im  Jahre  1900  täglich
mehrmals  herausgegebenen  Zeitungen  im  Jahre  1902  5%  in
je  einer  Tagesausgabe  weniger  erschienen.
Die  Generalanzeiger  waren  diejenigen  Zeitungen,  die  sich
bei  dem  Tarif  nach  dem  Einkaufspreis  der  Zeitungen  hinsichtlich ­
  des  Postvertriebs  am  günstigsten  standen.  Erfahrungsgemäß ­
  übt  die  Höhe  der  Frachtsätze  in  gewissem  Maße  einen
Einfluß  auf  den  Umfang  des  Verkehrs  aus.  Wie  sinkende
Warenpreise  die  Nachfrage  mehren  können,  so  vermag  der
Verkehr  innerhalb  gewisser  Grenzen  mit  der  Verminderung
der  Frachtsätze  zu  wachsen?)  Dieses  Moment  machten  sich  die
Generalanzeiger  zu  nutze.  Wegen  der  reichen  Jnserateneinnahmen
')  Begriindimg  zum  Entwurf  der  Tarifreform  von  1899  in  den
Stenogr.  Ber.  1898/00  II.  Aul.  Bd.  S.  998.
2 )  van  der  Borght  S.  HO.
            
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