Full text : Lebenserinnerungen

sodann  1903  von  Holland  durch  die  dortigen  Ltudenten;  sie  wollten
mich  gern  über  religionsphilosophische  Probleme  hören;  so  habe  ich
damals  in  Utrecht,  Ümsterdam  und  Leiden  gesprochen,  dort  wohltuende ­
  Lindrücke  empfangen  und  bleibende  freundschaftliche  Beziehungen ­
  gewonnen.

Der  Alobelpreis.
un  kam  das  Jahr  1908,  dessen  Verlauf  inir  die  Zuerkennung
fß  ^des  literarischen  Nobelpreises  brachte.  Die  Möglichkeit  dieser
Lache  war  wohl  hier  und  da  von  schwedischen  freunden  angeregt,
aber  sie  erschien  so  unsicher,  dast  ich  zunächst  mich  nicht  damit
zu  beschäftigen  hatte.  Licherer  schien  damals  eine  Berufung  nach
den  schottischen  Universitäten,  wo  ich  religiös-philosophische  Vorlesungen ­
  halten  sollte;  diese  Lache  hat  sich  aber  später  zerschlagen.
Uls  ich  1908  zu  kurzem  Vufenthalt  zum  Philosophen-Kongrcst  nach
Heidelberg  kam,  war  ich  selbst  überrascht,  wie  viel  und  herzliche
Teilnahme  meine  Bestrebungen  in  austerdeutschen  Kreisen  fanden.
Besonders  liebenswürdig  zeigten  sich  die  Tranzosen.  Ls  war
deutlich,  dast  ich  durch  die  Übersetzungen  meiner  Bücher  in  fremde
Lprachen  schon  ein  Publikum  gewonnen  und  mir  eine  Unabhängigkeit ­
  vom  deutschen  gelehrten  Publikum  errungen  hatte.  Um  fene
Zeit  wurde  ich  auch  von  der  schwedischen  Llkademie  der  Wissenschaften ­
  zum  auswärtigen  Mitglied  ernannt;  sodann  wurde  ich
auf  Ünregung  des  fetzigen  Lrzbifchofs  Löderblom  als  Lrster  zur
Übhaltung  von  Vorlesungen  für  die  Olaus  Petri-Ltifkung*  in
Upsala  berufen.  Lchliestlich  kam  am  14.  November  die  Mitteilung ­
  der  Verleihung  des  Nobelpreises.  Wenn  ich  dabei  einzelner
Persönlichkeiten  dankbar  zu  gedenken  habe,  so  ist  es  an  erster  Ltelle
mein  unvergestlicher  Treund  Norström,  dann  aber  auch  die  Herren
Hfärne,  der  erste  Historiker  Zchwedens,  und  Kctzius,  der  ausgezeichnete ­
  Naturforscher,  der  mit  gründlichster  Forschung  eine  tiefe
Welt-  und  Lebensanschauung  verband.
Ls  kamen  dann  eine  Neihe  glänzender  Testlichkeiten,  welche  die
Teilnehmer  auf  die  Höhe  des  Lebens  führten;  bei  einem  dieser  Teste
sprach  der  fetzige  König  eingehend  mit  mir  über  das  lebhafte
Interesse,  das  sein  Vater,  der  König  Oskar,  meiner  Philosophie,
im  besonderen  meiner  Keligionsphilosophie,  gewidmet  habe;  dieser
hat  manche  Vufzeichnungen  darüber  hinterlassen,  die  sich  aber
fremden  Llugen  entziehen.

*  Olaus  Petri  hat  die  Lutherfche  Lehre  in  Schweden  zum  Liege  geführt.
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