Full text: Wesen und Weg der Sozialisierung

bestand der Lebensordnung, daß wohlerworbene Rechte gewahrt wer 
den, ihre Form wird aber durch die jeweilige Gesellschaftsordnung 
bestimmt. Es liegt nun nicht im Interesse der Gesamtheit, die Unter 
nehmer durch arbeitslose Renten zu entschädigen. Es wäre zweck 
mäßiger, ihnen als Entschädigung erhöhte Arbeitseinkommen zu be 
willigen, falls sie innerhalb der neuen Ordnung weiter verwendet 
werden. Die Höhe der Entschädigung hätte die durchschnittliche 
Lebenslage, die „Konsumquote“ des Unternehmereinkommens zu be 
rücksichtigen, nicht aber jenen Einkommensteil, welcher der „Kapi 
talisierung“ zu dienen pflegte. Überhaupt ist die plötzliche Aus 
schaltung einer Gruppe von Menschen, unter denen sich sehr fähige 
Köpfe befinden, ungemein bedenklich. Wenn man überhaupt einmal 
der Rentenfrage gelegentlich der Sozialisierung zu Leibe gehen sollte, 
wäre es auch denkbar, die Frage der Anleihen unter diesem Ge 
sichtspunkt zu erörtern und die Möglichkeit ins Auge zu fassen, sie 
durch erhöhte Arbeitseinkommen abzulösen, um ihnen die lähmende 
Wirkung zu nehmen, welche sie innerhalb der Volkswirtschaft allzu 
leicht ausüben. 
Die bisherigen Ausführungen haben an einigen Beispielen zu 
zeigen versucht, welche Fülle von Verknüpfungen, welche Mannig 
faltigkeit von Möglichkeiten die Sozialisierung in sich beschließt. Da 
die Sozialisierung, wenn überhaupt, sofort ins Werk gesetzt werden 
müßte, um die Unsicherheit und Halbheit zu beseitigen, die heute alles 
lähmt und unsere Wirtschaft ernstlich bedroht, um jene immer mehr 
um sich greifende Unruhe zu beheben, welche in breiten Kreisen auf- 
tritt, weil die wirtschaftlichen Früchte der Revolution 
auf sich warten lassen, bedarf es auch besonderer Vorkehrungen, 
welche die Umgestaltung der Geldordnung für die Übergangszeit 
cinleiten. 
Wenn man auch nicht die Geldordnung sozialisieren kann, so ver 
mag man doch manches an ihr übersichtlicher zu gestalten und über 
sie eine gewisse Herrschaft auszuüben. Vor allem müßte unein 
lösliches Girogeld geschaffen werden. Zahlungen über eine 
bestimmte Summe dürften nur durch Überweisung auf ein Bank- oder 
Postkonto beglichen werden, Abhebungen wären unzulässig. Damit 
wäre erreicht, daß man jederzeit die Geldzirkulation zu überschauen 
vermag. Der Zwang, sein Geld in die Bank zu legen, würde alles 
Hamstern unmöglich machen; Steuerhinterziehung und Geldflucht 
wären wesentlich erschwert, in mancher Hinsicht sogar unmöglich 
gemacht. In welcher Weise diese Reform auch das Kreditwesen bc-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.