Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

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Den  in  der  Inflationszeit  ins  Leben  gerufenen  Spezialbanken  war  nur  ein
kurzes  Dasein  beschieden.  In  der  Hauptsache  handelte  es  sich  um  Zusammenschlüsse ­
  zur  Erzielung  gemeinschaftlicher  Haftung  für  Kredite  bestimmter  Gruppen.
Großindustrielle  und  industrielle  Konzerne  haben  mitunter  ihre  eigene
Hausbank,  so  die  I.  G.  Farbenindustrie  AG.  die  Deutsche  Länderbank ­
  AG.  Weitere  Hausbanken  sind  die  August  Thyssen  Bank  AG.,  die
Kali  Bank  AG.,  die  Giesche  Bank  AG.  usw.
Wie  die  deutsche  Industrie  in  ihrer  fortschreitenden  Vertrustung  Riesenorganismen ­
  schuf,  so  haben  auch  die  Banken,  um  leistungskräftig  und
widerstandsfähig  zu  sein,  ihr  Kapital  vereint  (fusioniert),  oder  sie  haben
„Interessengemeinschaften"  geschlossen,  d.  h.  eine  wechselseitige  Förderung
vereinbart,  ohne  auf  ihre  wirtschaftliche  und  rechtliche  Selbständigkeit  zu  verzichten.
Als  Grund  der  Verschmelzung  wird  oft  die  Ersparung  von  Arbeit  und  Kapital
angegeben.  Durch  Vereinfachung  der  Arbeitsmethode  und  zweckmäßigerer  Nutzbarmachung ­
  der  vorhandenen  Arbeitskräfte  kann  erheblich  an  Unkosten  gespart  werden, ­
  insbesondere  auch  durch  Zusammenlegung  von  Filialen  der  fusionierten
Banken.  An  vielen  Plätzen  bestand  keine  wirtschaftliche  Notwendigkeit,  eine
weitere  Großbankfiliale  zu  errichten.  Nur  des  Prestiges  wegen  geschah  es,  und
daher  arbeiteten  solche  Filialen  oft  mit  Verlust.
Die  Interessengemeinschaft  stellt  einen  stärkeren  oder  schwächeren  Grad
der  Jnteressenverknüpfung  dar.  Bei  der  Fusion  geht  eine  Gesellschaft ­
  in  die  andere  auf  und  damit  unter,  während  bei  der  Interessengemeinschaft ­
  beide  Unternehmungen  als  selbständige  Rechtssubjekte  fortbestehen. ­
  Auch  partielle  Verschmelzungen  kommen  vor:  Nur  bestimmte
Abteilungen  zweier  Banken  werden  verschmolzen.
Bei  der  Fusion  erhält  dasmeue  Gebilde  in  der  Regel  einen  Namen,  der  auf
die  miteinander  verbundenen  Institute  hinweist,  z.  B.:  Deutsche  Bank  und  Disconto-Gesellschaft.
  Die  Commerz-  und  Discontobank  nannte  sich  nach  Vereinigung ­
  mit  der  Mitteldeutschen  Privatbank:  Commerz-  und  Privat-Bank.
Die  Interessengemeinschaft  wird  auf  eine  Reihe  von  Jahren  abgeschlossen,
kann  aber  innerhalb  dieser  Frist  nach  einer  vereinbarten  Zeit  gekündigt  werden.
Fassen  wir  zusammen:  Die  Entwicklung  der  Kapital,  und  Machtkonzentration
  im  deutschen  Bankwesen  vollzog  sich:
A.  Auf  direktem  Wege:
1.  durch  Kapitalserhöhungen,  die  vor  allem  erforderlich  waren,  um
3)  S.  H.  Comprix,  Die  Arbeitnehmerbanken.  Halberstadt  1929.  W.
Schlick,  Die  Beamtenbanken,  Karlsruhe  1936.  W.  Schätz,  Die  Banken  der
Beamten,  Arbeiter  und  Angestellten  in  Deutschland.  Stuttgart  1932.
            
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