fullscreen: Dem Reichsverband der deutschen Volkswirte (R. D. V.) zur Feier seines 25jährigen Bestehens zu Berlin im Februar 1927 gewidmet von der Friedrich List-Gesellschaft

sein privates und öffentliches Leben in der französischen Hauptstadt 
und seine besonders heitere und zuversichtliche Stimmung gerade in 
diesen Wochen der schwersten Arbeit zu verdeutlichen!?: 
Paris den 22 Nov. 1837 
Liebe Caroline. Wir haben Dir seither nicht geschrieben, weil 
wir erst die Audienz abwarten wollten. Seit 14 Tagen warteten wir 
vergeblich auf eine Einladung und fürchteten schon die Sache 
sey wieder in Vergessenheit gekommen, als vorgestern Abend eine 
Einladung kam, mich für gestern Mittag halb ı2. Uhr zur 
Audienz beim König in den Tuilerien einzufinden. Ich bin im 
Ganzen sehr gut aufgenommen worden. Der König kam mir 
entgegen, setzte mir denn einen Stuhl, lud mich ein zu sitzen u. 
nach einigen Minuten war ich in voller Unterhaltung mit ihm be- 
griffen. Er sprach von Deutschland, vorzüglich aber von Nord- 
amerika u. über die deutschen Bauern in Pennsylvanien u. kam 
dann auf meine Vorschläge, in welche er sich zwar nicht tief ein- 
Leß, aber er versprach, sie zu prüfen u. mit den Ministern zu 
sprechen, daß sie mit mir in Communication träten. Für das 
erste Mal konnte ich kaum mehr erwarten. In der Hauptsache: 
über die Nützlichkeit der Einführung eines Papiergeldes, ist er 
mit mir einverstanden, nur fürchtet er, es dürfte hart halten, die 
Vorurtheile welche von der Zeit der Assignaten her gegen die 
Papiere in Frankreich besteht, zu überwinden, wogegen ich 
meine vollkommene Überzeugung aussprach, daß ich glaube, daß 
sich diese Vorurtheile überwinden ließen, was er gerne zu hören 
schien. Sehr lieb war es mir, von ihm aus seinem eignen Munde 
zu hören, daß der König von Belgien mich ihm empfohlen u. 
ihm gesagt hätte, daß er mich achte u. ihn versichert hätte, daß 
ich alles Zutrauen verdiene. Ich kann nicht anders denken als 
daß ich einen Stein ins Brett bey ihm bekommen habe durch 
diese Audienz, Er lachte u. scherzte u. war sehr freundlich u. 
forderte mich dadurch heraus mich ganz ungenirt gegen ihn aus- 
zusprechen. Es ward abwechselnd französisch, deutsch u. englisch 
gesprochen, je nachdem von dem einen oder dem andern Lande 
die Rede war. Besonders schienen ihm meine Ansichten über 
Jackson & van Buren zu gefallen. Einstweilen habe ich durch 
diese Audienz so viel gewonnen, daß ich bey allen Ministern Zu- 
tritt habe, u. daß keiner mich schnöde abweisen oder oben her- 
unter behandeln kann, da keiner weiß, welchen Stein ich beim 
König im Brett habe. Bisher konnte ich gar keine Besuche bey 
den Ministern machen, da ich nicht riskiren wollte, schlecht 
aufgenommen zu werden. Ferner kann ich nun bey dem Herzog 
von Orleans u. Madame zur Audienz kommen. Das ist Alles so 
viel, als ich vernünftigerweise erwarten konnte. Daß ich nicht 
mißbraucht werde, im Fall meine Vorschläge angenommen wer- 
den, dafür ist mir der König von Belgien Bürge, dem ich offen 
u. frey zur Bedingung gemacht habe, daß ich 20.000 Fr. Gehalt
	        
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