Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

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stehen",  und  nach  §  384  des  HGB.  hat  der  Bankier  als  Kommissionär
die  Pflicht,  „das  Interesse  des  Kommittenten  wahrzunehmen".  Er  muß
besonders  vorsichtig  sein,  wenn  er  einem  Kunden  von  einein  beabsichtigten
Geschäft  abrät  und  ein  anderes  vorschlägt.  Vom  Bankier,  der  einen  Ratschlag ­
  erteilt,  wird  verlangt,  daß  er  die  Tatsachen,  die  für  oder  gegen
den  Ankauf  eines  Wertpapieres  sprechen,  genau  geprüft  hat;  er  muß  es
verstehen,  die  Mitte  zwischen  Pedanterie  und  Tollkühnheit  einzuschlagen.
Die  Entwicklung  der  Kurse  kann  er  nicht  prophezeien;  er  soll  aber  die
Tatsachen,  die  zugunsten  oder  zuungunsten  der  in  Frage  kommenden
Effekten  sprechen,  anführen,  die  Lage  des  betreffenden  Unternehmens
schildern,  seine  Ansichten  über  die  Gestaltung  des  Geld-  und  Effektenmarktes ­
  äußern  usw.  Die  Entscheidung  muß  der  Kunde  selbst  fällenZ.
Das  Publikum  gibt  also  die  Börsenaufträge  einer  Bank  oder  Bankfirma, ­
  durch  die  sie  auch  ihren  Zahlungsverkehr  und  ihre  sonstigen  Bankgeschäfte ­
  vornehmen  läßt.  Befindet  sich  diese  Bank  oder  Bankfirma  nicht
an  einem  Börsenplatz  oder  nicht  an  dem  Börsenplatz,  an  dem  der  Auftrag
ausgeführt  werden  kann  (weil  das  betreffende  Papier  an  dieser  Börse
nicht  gehandelt  wird)  oder  ausgeführt  werden  soll  (weil  der  Auftraggeber, ­
  wenn  er  die  Wahl  des  Börsenplatzes  hat,  oft  der  Berliner  Börse
den  Vorzug  vor  einer  Provinzbörse  gibt),  so  muß  die  Bank  den  Auftrag
weitergeben.  In  den  meisten  Fällen  geschieht  dies  an  eine  Großbank  in
Berlin,  stets  natürlich,  wenn  die  Bank  ihre  Zentrale  oder  eine  Filiale  in
Berlin  hat.  Eigene  Fernsprechanschlüsse,  die  zwischen  den
Zentralen  der  Großbanken  und  einigen  ihrer  Filialen  bestehen,  beschleunigen ­
  den  Verkehr.
Der  größte  Teil  der  Börsenaufträge  konzentriert  sich  bei  den  Großbanken ­
  in  Berlin,  und  die  Privatbankiers  sind  mehr  und  mehr  ausgeschaltet. ­
  Es  ist  daher  verständlich,  wenn  sie  danach  streben,  wieder  einen
st  Beherzigenswerte  Worte  richtete  ein  leitender  Direktor  der  Deutschen  Bank
auf  dem  VI.  Allgemeinen  Deutschen  Bankiertag  an  seine  Berufsgenossen  hinsichtlich ­
  Beratung  des  Publikums  bei  Kapitalsanlagen:  „Sehen  Sie  sich  das  Papier,
das  Sic  dem  Sparer  verkaufen,  sehr  genau  an.  Der  Sparer  will  Rente  haben,
er  will  sie  auch  wirklich  haben,  und  bei  den  gegenwärtigen  Zinsverhältnissen
hat  er  auch  Anspruch  auf  eine  ansehnliche  Rente.  Aber  prüfen  Sie  genau,  ob  in
dem  Papier,  das  der  Sparer  kaufen  soll,  nicht  mehr  versprochen  wird,  als  später
tatsächlich  geleistet  werden  kann.  Keine  noch  so  hohe  Vermittlungsprovision ­
  darf  den  Bankier  dazu  verführen,  von  solcher  Prüfung  Abstand  zu  nehmen  "
            
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