Object: Die Selbstkosten-Berechnung industrieller Betriebe

114 
Akkordlöhne werden da zur Anwendung kommen, wo man 
den Wert der Arbeit vor deren Ausführung schätzen kann und wo 
Güte und Menge von der Geschicklichkeit des Arbeiters abhängen. 
Bei der Berechnung des Akkordlohnes 1 ) wird die Größe 
der Arbeitsleistung in Beziehung zum Lohn gebracht. Die Größe 
der Arbeitsleistung wird bemessen entweder direkt nach dem Pro 
dukt, welches der Arbeiter herstellt, oder indirekt nach anderen 
Merkmalen. Bei direkter Berechnung der Arbeitsleistung wird 
a) das ganze Arbeitsstück der Berechnung zugrunde gelegt 
(Stückberechnung, Stückakkord), z. B. x Mk. für das 
Stück. Die Berechnung des Arbeitslohnes nach dem Stück ist die 
zumeist angewendete Methode. Sie muß, wenn sie gerecht sein soll, 
auf die Qualität des Arbeitsmaterials, auf dessen Ungleichheiten, auf 
die Güte der Werkzeuge, die Einrichtungen des Betriebes sowie die 
Anzahl der Arbeitsstücke Bücksieht nehmen; denn je mehr Arbeits 
stücke gleicher Art herzustellen sind, um so größere Übung gewinnt 
der Arbeiter, die auch zur zweckmäßigen Anordnung der Arbeit 
führt. Lohntarife mit Stückberechnung müssen naturgemäß sehr 
umfangreich sein, weil sie auf alle denkbaren Variationen des Arbeits 
stückes (Dimension, Art des Bohmaterials u. a.) Rücksicht nehmen 
müssen. 
b) In anderen Fällen werden nur Maß- und Gewichtseinheiten 
des Arbeitsstückes■' der Berechnung zugrunde gelegt (Einheits 
berechnung), z. B. x Pfg. für ein Meter, kg, eine Tonne, 
einen cbm, qm, pro Paar, je nach der Verkaufseinheit; sie wird 
angewendet in Eisengießereien, Maschinenfabriken, in den chemischen 
Industrien usf. Die Einheitsberechnung ermöglicht eine genaue 
Akkordberechnung und wird dort mit Vorteil zur Anwendung kom 
men, wo die vorzunehmenden Arbeiten wechseln und die Stückbe 
rechnung zu ungenauen Resultaten führen muß. Durch sie werden 
die verschiedenartigen Arbeitsstücke erst miteinander vergleichbar. 
Doch muß die gewählte Rechnungseinheit zur Schwierigkeit der 
Arbeit in Beziehung stehen. Es wäre z. B. unbillig, den Lohn in 
Eisen- und Metallgießereien gleichmäßig für alle Arbeitsstücke, ob 
klein oder groß, ob schwieriger oder leichter zu formen, für 100 kg 
festzusetzen, weil das Gewicht hier keinen Maßstab für die Schwierig 
keit der Arbeit bietet. 
‘) Die folgenden Ausführungen (§§ 23— 24) sind zumeist der trefflichen 
Arbeit von Bernhard, Die Akkordarbeit in Deutschland, Berlin 1903 (S. 114ff.), 
entnommen. Vgl. überdies: Beck, Gerechter Arbeitslohn. Dresden 1902, mit 
reicher Literaturausgabe über diese Frage. Brentano, Über das Verhältnis 
von Arbeitslohn und-zeit zur Arbeitsleistung. 2. Aufl., Leipzig 1893. Bernhard- 
Schloß, Handbuch der Löhnungsmethoden. Leipzig 1906. Jeidels, Die Metho 
den der Arbeiterentlohnung in der rheinisch-westfälischen Großindustrie. Berlin 1907.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.