Nach alter rationalistischer Auffassung ist das Geld b e -
wußt geschaffen worden, aus der Erkenntnis heraus, daß ein Tausch
nur mittels eines Wertmessers seiner Geldart) möglich sei.
„Die ersten Denker, die sich mit der Ergründung des Geldwesens be
schäftigten," schreibt Karl Helfferich, „hatten das Geld vor sich als fertige
Einrichtung, die gewisse auf der Hand liegende Zwecke auf das beste erfüllte;
die Erkenntnis der Zweckmäßigkeit des Geldes sahen sie ohne weiteres als das
treibende Moment bei der Einführung des Geldes an; sie hielten das Geld
für ein Erzeugnis zweckbewußter menschlicher Willcnstätigkeit."
Nach neuerer Auffassung ist das Geld aus dem Handelsverkehr,
aus dem Verkehr mit Fremden, entstanden. Die auswärtigen Händler
ließen sich im Tausch gegen die von ihnen gebrachten Waren die Landes
produkte geben sFelle, Elfenbein, Gold, Silber usw.). Die damals noch
recht kostbaren Metalle wurden zunächst zu Schmuckgegenständen
sSpangen, Ringen usw.) verwendet, wie vorher schon Purpur und Glas;
später erst fertigte man aus den Metallen Werkzeuge au. Ebenso wurden
auch Prunkwaffen früher angefertigt als Gebrauchswaffen.
Im inneren Verkehr eines Landes waren die Haupttauschmittel Natu
ralien. Der Schmied sder erste Handwerker!) nahm Metalle, die von ihm
teils verarbeitet, teils weiter in Austausch gegeben wurden. Auf das
Warengeld — und nichts anderes war anfangs auch das Metall — folgte
als zweite Stufe die des Metallgeldes, das bald ein gern genommenes
Tauschgut wurde. Seine großen, im Laufe der Zeit sich zeigenden Vor
züge waren also Veranlassung, es allgemein als Geld zu gebrauchen, nicht
führte von vornherein das Erkennen der Zweckmäßigkeit zur Benutzung
der Metalle als Geld.
Der Stoff der zur Verwendung gelangenden Metalle war bei den ein
zelnen Völkern verschieden. Gold und Silber waren schon in den
ältesten Zeiten bei Assyriern, Babyloniern und Ägyptern als Tauschmittel
bekannt. In Griechenland benutzte man anfangs Eisenstangen (ößoX6s)
als Tauschmittel, und dieses Eisengeld hat sich in Sparta noch bis in
späte Zeiten hinein erhalten. Z i n n g e l d hatten die Phönizier,
Kupfer- und Bronzegeld die Römer.
Mit fortschreitender Kultur sind die unedlen Metalle und die anderen
als Tauschmittel dienenden Güter sVermittlungsgüter) immer mehr in
den Hintergrund getreten. Ihre bevorzugte Stellung als Geld behaupt eu
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