Full text: Geld-, Bank- und Börsenwesen

Fünftes Kapitel 
DAS VANDERBILTSCHE VERMÖGEN VERVIELFACHT 
SICH 
V anderbiles Ehrgeiz war, der reichste Mann Amerikas zu 
werden. Im Besitz von drei Eisenbahnen, suchte er 
sich nun der vierten zu bemächtigen — der Erie-Eisenbahn. 
Dies war ebenfalls eine von den Bahnen, die größtenteils mit 
staatlichem Gelde gebaut waren. Der Staat New York hatte 
3 Millionen Dollar beigesteuert, und auch sonst waren wert- 
volle Unterstützungen gewährt worden. 
Gleich im Anfang begann die Bestechung!). Die Ge- 
werbetreibenden, Grundbesitzer und Bankiers, welche die 
Gesellschaft bildeten, bestachen die Legislatur, die staatliche 
Beteiligung abzulösen, und dann plünderten sie die Eisen- 
bahn so gründlich, daß sie, um den Bankrott zu ver- 
hüten, von Daniel Drew Geld borgen mußten. Dieser Mann 
war seinerzeit eine hervorragende finanzielle Persönlichkeit. 
Ohne Schulbildung, gewissenlos, charakteristisch gerade 
durch seine Schlechtigkeiten, war er früher Viehtreiber ge- 
wesen und hatte dann mit Vanderbilt zusammen das Dampf- 
schiffgeschäft angefangen. Er hatte seinen Reichtum teil- 
weise durch diese Dampferlinie zusammengescharrt, teil- 
weise auch durch allerhand betrügerische Manipulationen. 
Da ihm sein Darlehn nicht zurückgezahlt wurde, entschä- 
digte er sich, indem er 1857 die Verwaltung der Erie-Eisen- 
bahn übernahm. 
In den nächsten neun Jahren dirigierte er die Aktien nach 
seinem Belieben und trieb die Kurse hinauf oder hinunter, 
wie es für seine Börsenmanöver paßte. Die Eisenbahn wurde 
so heruntergewirtschaftet, daß eine Fahrt mit ihr eine Ge- 
fahr bedeutete; eine Katastrophe folgte der andern. Drew 
setzte seine Aktienmanipulationen fort und kümmerte sich 
nicht um den Zustand der Bahn. Niemals wurde ihm auch 
nur die Ungelegenheit bereitet, von öffentlichen Behörden 
1) Bericht der New York und Erie Eisenbahngesellschaft, New York State 
Assembly Document, No. 50, 1842.
	        
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