Full text : Kapitalismus und Sozialismus

Das  wirtschaftliche  Wesen  beider  Produktionsweisen  21
wirtschaftlichen  Produktionsweise,  unter  Umständen  aber  auch  eine
gewisse  moralische  Schwäche.  Denn  es  entsteht  dadurch  auch  die  Versuchung, ­
  den  Gewinn  durch  Anwendung  moralisch  bedenklicher  Mittel
zu  vergrößern.  Lei  der  konsumgenossenschaftlichen  Produktionsweise
dagegen  ist  die  Möglichkeit  ausgeschlossen,  daß  jemand  an  der  Befriedigung ­
  des  Bedarfs  anderer  Personen  einen  Gewinn  macht.  Die
konsumgenossenschaftlichr  Produktionsweise  ist  sozusagen  immer  eine
Bedarfsdeckung  zum  Selbstkostenpreis.  Gelingt  es,  die  Produktion ­
  zu  verbilligen,  so  muß  der  Nutzen  hiervon  stets  den  genossenschaftlich ­
  organisierten  Abnehmern  zufallen.  Bei  einer  Uonsumgenossenschaft
  können  eigentlich  überhaupt  nie  Gewinne  gemacht,  sondern ­
  nur  Ersparnisse  erzielt  werden.
Unter  primitiven  Wirtfchaftsverhällnissen  tritt  der  Unterschied
Zwischen  erwerbswirtschastlicher  und  konsumgenossenschaftlicher  Produktionsweise ­
  noch  nicht  hervor.  Solange  das  Wirtschaftsleben  auf
der  sogenannten  Stufe  der  geschlossenen  Hauswirtschaft  verharrt  und
jede  wirtschaft  alle  Güter,  deren  sie  bedarf,  im  allgemeinen  auch
selbst  erzeugt,  fehlt  die  Möglichkeit,  von  einem  Gegensatz  zwischen
Erwerbswirtschaft  und  Uonsumgenossenschaft  zu  sprechen.  Sobald
aber  die  tvrganisationsstufe  der  Eigenproduktion,  insbesondere  durch
die  Loslösung  der  gewerblichen  Arbeit  von  der  Hauswirtschaft,  überwunden ­
  wird  und  Produktion  und  Konsumtion  der  Güter  sich  mehr
und  mehr  auf  verschiedene  Wirtschaften  verteilen,  da  fängt  auch
sogleich  der  Gegensatz  zwischen  erwerbswirtschaftlicher  und  konsumgenossenschaftlicher ­
  Produktionsweise  an  hervorzutreten.  Und  das
Wirtschaftsleben  scheint,  wie  schon  angedeutet,  zunächst  einen  Augenblick ­
  zu  schwanken,  welchen  der  beiden  an  sich  gleich  möglichen  Wege
es  einschlagen  soll.  So  war  z.  B.  im  Mittelalter  die  Lage  der  Dinge,
als  einzelne  gewerbliche  Arbeiten  sich  von  der  Hauswirtschaft  loslösten ­
  und  ihre  Verrichtung  an  Spezialbetriebe  überging,  die  nicht
einer  einzelnen  Hauswirtschaft,  sondern  einer  größeren  Zahl  von  solchen ­
  ihre  Dienste  widmeten.  Die  ersten  gewerblichen  Berufsarbeiter,
denen  wir  im  Mittelalter  in  den  Dörfern  begegnen,  wie  vor  allem
            
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