Full text : Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

8

mittleren  Westen  bewirkte,  indem  sie  1873  im  Anschluß  an  die  kurze,
bereits  1870  eröffnete  Linie  Kasatin—Berditschew  durch  die  wichtige
Linie  Berditschew—Rowno—Ko  wel—Brest  Wolynien  anbahnte.  Noch
im  gleichen  Jahre  wurde  diese  Strecke  von  der  Brest-Grajewoer  Gesellschaft ­
  über  Bjelostok  nach  Grajewo  an  der  ostpreußischen  Grenze  durchgeführt. ­
  Mit  der  Linie  Kasatin—Brest—Bjelostok  war  der  Umweg
aus  Süßrußland  durch  Großrußland  zu  den  Weichselprovinzen  und
den  Ostseeländern  beseitigt.
Während  der  Odessaer  Bahngesellschaft  der  erste  Anschluß  der
südwestlichen  Provinzen  an  das  österreichische  Bahnnetz  (Shmerinka—
Wolotschisk  1871)  zu  verdanken  ist,  schuf  die  Kiew-Brester  Bahn  einen
weiteren  Anschluß  in  der  Linie  Sdolbunowo—Radsiwilow  (1873).  Es
war  ein  Zeichen  wirtschaftlicher  Einsicht,  daß  sich  noch  vor  dem  Abschluß ­
  der  siebziger  Jahre  im  Südwesten  eine  große  Gesellschaft  bildete.
Die  Odessaer  Bahngesellschaft  vereinigte  sich  mit  der  Bender-Galatzer,
der  Kiew-Brester,  der  Kiew-Baltaer,  der  Balta-Jelissawetgrader  und
der  Brest-Grajewoer  Bahn  zu  der  Südwestbahngesellschaft,  welche  die
größte  und  einflußreichste  Bahngesellschaft  Rußlands  werden  sollte.
Durch  die  Fusion  war  ein  großartiger  Linienzug,  Odessa—Grajewo  in
den  Händen  einer  Gesellschaft,  dem  freilich  ein  großer  Erfolg  versagt
blieb.  Die  Süd  westbahnen  hatten  bei  weitem  die  meisten  Auslandsanschlüsse: ­
  denn  neben  der  ostpreußischen  Verbindung  besaßen  sie
die  beiden  Bahnen  an  die  rumänische  Grenze  und  die  beiden  Bahnen
aus  Wolynien  nach  Galizien 1 ).
An  vier  wichtigen  Punkten  war  also  kurz  hintereinander,  von  1870
bis  1875,  der  Pontus  durch  Bahnen  erreicht,  in  Rostow,  Sewastopol,
Odessa  und  Nikolajew.  Bei  dieser  schnellen  Aufeinanderfolge  schien
sich  bereits  in  der  Mitte  der  siebziger  Jahre  das  Interesse  für  weitere
Linien  in  Neurußland  zunächst  erschöpft  zu  haben.  Dafür  traten  um  so
spontaner  um  dieselbe  Zeit  die  Wolga-  und  Ostprojekte  auf.  Hier  sind
politische  Gründe  wohl  mitsprechend  gewesen,  zumal  Rußland  stark
in  Zentralasien  beschäftigt  war.  Von  den  Bahnen,  die  zur  oberen  Wolga
geleitet  wurden,  kann  man  dies  natürlich  nicht  sagen:  hier  war  der
wirtschaftliche  Grundsatz,  die  Schiffahrt  zu  unterstützen,  ausschlaggebend. ­
  1870  hatte  die  Rybinsk-Bologojer  Gesellschaft  das  wichtige
Rybinsk,  das  bereits  das  Ziel  früherer  Projekte  war,  mit  der  Nikolaibahn ­
  verbunden,  im  selben  Jahre  die  Jaroslawler  Bahn  das  alte  Jaroslawl
mit  Moskau  *  2 ).  Als  erste  Bahn  jenseits  der  Wolga,  außerhalb  des  Verkehrskreises ­
  der  Nikolaibahn,  gelangte  dann  1872  die  Schmalspurbahn
Jaroslawl  (1.  Ufer)—Wologda  zur  Eröffnung,  die  hier  an  das  Schiffahrts-*)
  1893  folgte  ein  weiterer  Anschluß  aus  Beßarabien  (Nowoselizy)  nach  der
Bukowina.
2 )  Die  Strecke  von  Moskau  nach  Sergijewo  war  bereits  1862  fertiggestellt
worden.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.