Am 1. Januar 1876 waren 19 547 km im Betrieb; seit dem 1. Januar
1871 hatte sich das Bahnnetz um 8304, seit dem 1. Januar 1866 um
15 621 km vermehrt. Mit der Mitte der siebziger Jahre setzt wieder
ein Nachlassen in den Eisenbahnunternehmungen ein. Es werden zwar
einige Linien eröffnet, meist aber von geringerer Wichtigkeit. Auch
die größeren unter ihnen, wie die Fastowbahn und die von den Weichsel
bahnen 1877 gebaute, strategisch und wirtschaftlich wichtige Linie
Kowel—Lublin—Iwangorod—Warschau—Mlawa, an die sich die west
preußische Privatbahn Mlawa—Marienburg anschloß, oder die Ver
bindung der Universitätsstadt Dorpat mit Taps durch die Baltischen
Bahnen und der alten finnischen Hauptstadt Abo mit Tojala und Ta-
vastehus waren keine Bahnen großer Bedeutung, waren es sicherlich in
der ersten Zeit nach ihrer Eröffnung nicht. Bemerkenswert war das
im Südosten (1878/79) entstandene Netz der Donezkohlenbahnen.
Während der Krimkrieg dem Eisenbahngedanken neue Verteidiger
geschaffen hatte, vermochte der russisch-türkische Krieg von 1877/78
hier nicht belebend zu wirken. Zudem kam, daß das fast nur von privaten
Kreisen geleitete Eisenbahnwesen sich beinahe chronisch in geldlichen
Schwierigkeiten befand. Von einer Konsolidierung der Eisenbahnen
konnte in keiner Weise die Rede sein. Die Gesellschaften hatten fast
durchweg nur den Bau einer einzigen Linie im Auge gehabt. Von der
Bildung leistungsfähiger Gesellschaften mit einem größeren Liniennetz
wie in Frankreich, England und Preußen konnte nur in einigen wenigen
Fällen die Rede sein. Zu den Gesellschaften, die mehr als eine Linie
betrieben, gehörten die Große Russische Eisenbahngesellschaft und
die aus sechs Gesellschaften hervorgegangenen Süd westbahnen. So
mußte bei einem ohnehin schwachen Verkehr, bei der geringen Rücksicht
nahme der Gesellschaften aufeinander, bei der ein einheitliches Handeln
etwa in Tariffragen oder in der Einrichtung eines großen durchgehenden
Personenverkehrs fast ganz fehlte, die mißliche Lage, in der sich die
Bahngesellschaften befanden, eine dauernde werden. Klagen über den
starken Rückgang der Einnahmen blieben nicht aus. Wie ungünstig
die Lage mancher Gesellschaften war, ersieht man daraus, daß selbst
die Losowaja-Sewastopoler Eisenbahn, die doch immerhin eine wichtige
Linie betrieb, zu Beginn der achtziger Jahre, also doch nur wenige Jahre
nach der Eröffnung der Linie, unmittelbar vor der Liquidation stand.
Und das war alles eingetreten trotz der Subventionen und Vorschüsse,
für die sich der Staat seit langen Jahren festgelegt hatte, war eingetreten,
trotzdem den Gesellschaften die Ausgabe von Obligationen gestattet
und Zinsgewähr geleistet war 1 ). Hatte doch die finanziellen Mittel
zum Bau und teilweise auch zum Betriebe die Krone geschaffen, dieselbe
x ) 1888 betrugen die jährlichen Ausgaben, mit denen der Reichsschatz zu
gunsten der Privatbahnen belastet war, etwa 60 Mill. Rbl.