Full text: Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

verwaltet werden, ist St. Petersburg der Sitz der Nikolaibahn und der 
Nordwesteisenbahnen, wie man seit 1906 die beiden kombinierten Systeme 
der Baltischen und der Petersburg-Warschauer Bahn, denen ferner die 
vom Staate gebaute Bahn Pskow—Riga zugeteilt ist, nennt. In Moskau 
haben von staatlichen Verwaltungen ihren Sitz die Kursker, die Nischni 
Nowgoroder, die Nord- 1 ) und die Alexander bahn. 
Die Eisenbahnpolitik des russischen Staates hat bewirkt, daß die 
Domäne großer Privatbahnsysteme im wesentlichen der Osten ist. Öst 
lich von der Linie Moskau—Kaschira—Jelez—Waluiki—Liski—Rostow 
herrschen bis zur Wolga, im Südosten auch über diese hinweg, Privat 
bahnen. Die Kasaner Bahn, die Rjäsan-Uralsker Bahn, die Südostbahnen 
und die sich an diese anschließenden wenigen europäischen Linien der 
Wladikawkasbahn haben hier ein von anderen Bahnen kaum unter 
brochenes Liniennetz. Nur der europäische Zweig der sibirischen und 
der zentralasiatischen Bahn, die Strecken Tula—Samara—Tscheljabinsk 
und Samara—Orenburg, sind in Staatsbahnverwaltung. In Tschelja 
binsk, dem Ausgangspunkt nach Sibirien, schließt sich an die wichtige 
Linie St. Petersburg—Perm—Kungur—Jekaterinburg—Tscheljabinsk 
ein kleineres Netz staatlicher Bahnen an, das, der Direktion in Perm 
unterstellt, teilweise noch größere Bedeutung erhalten wird, wie die 
Linie Jekaterinburg—Tjumen—Omsk, von der die Strecke Tjumen— 
Omsk, über die wohl der Petersburger Sibirienzug geleitet wird, kürzlich 
vollendet wurde. Auch westlich über die Linie Moskau—Waluiki—Rostow 
hinweg reicht das Netz der Privatbahnen. Die Moskau-Kiew-Woronesh- 
bahn hat ihr Netz, das sich bis nach Kiew erstreckt, sogar fast ganz 
westlich liegen, und die Rjäsan-Uralsker Bahn hat, wie früher hervor 
gehoben wurde, ihr Netz fast ebenso weit westlich ausgedehnt und 
erreicht in Smolensk gleichfalls die Westgrenze des moskowitischen 
Rußland. Dem völlig abendländischen Rußland gehören aber teilweise 
die Linien der Moskau-Windau-Rybinsker Bahn an. Sonst sind aber 
die Privatbahnen des Westens, wie noch zuletzt die den Polen zu ihrem 
Leidwesen entwundene Warschau-Wiener Bahn, verstaatlicht, gleichwie 
auch die Bahnen, die kolonialpolitischen Zielen dienen. Bis auf die 
neue Bahn Herby—Tschenstochow—Kielzi sind alle Bahnen, die zu 
den westlichen Grenzen führen, im staatlichen Besitz. Vortrefflich 
wird die russische Politik auch durch einen Blick auf die kaukasischen 
Besitzverhältnisse beleuchtet. Während die diesseits des Kammes 
befindlichen Bahnen, also die Linien in einem durchaus befriedigten, 
ganz überwiegend von einer russischen, klein- und großrussischen, Be 
völkerung bewohnten Lande der privaten Wladikawkasbahn gehören, 
sind die jenseits des Kammes, somit in dem von zahlreichen unruhigen 
x ) Der 1906 gebildeten Nordbahn sind unterstellt die Bahnen der alten 
Jaroslawler Gesellschaft und die Neubaustrecke St. Petersburg—Wologda—Wjatka.
	        
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