Metadata: Sittlichkeit in Ziffern?

Dritter Teil. 
Postulaten für das Eingehen des Verlöbnisses, Kriterien zu 
ainer guten Wahl und sogar einer Erziehung zur Wahlbereit- 
schaft ausgearbeitet?l. In der ähnlichen Richtung liegen die 
Forderungen nach durch ein Staatsgesetz stipulierten, amtlichen 
ärztlichen Gesundheitszeugnissen sowohl als die Hoffnung auf 
sine Erhebung derselben zu einer allgemeinen Familiensitte. 
Derartige Forderungen erschallen heute aus allen Lagern. In 
Deutschland hat für die Katholiken wiederum vor allen Dingen 
Muckermann deren formuliert??, Unter eugenetisch-nationalen 
Gesichtspunkten plädierte der Oberregierungsrat Dr, Hesse für 
sin gesetzliches Eheverbot in bestimmten Fällen; er erklärte: 
„Den Luxus, eine minderwertige Nachkommenschaft groß zu 
ziehen, müssen wir uns heute unter allen Umständen versagen, 
während andererseits ein gesunder und kräftiger Nachwuchs uns 
die Arbeitskraft gewährleistet, die wir zum Wiederaufbau 
unserer zerrütteten Wirtschaft benötigen?!‘ In Italien hat eine 
aus Ärzten bestehende Untergruppe der faszistischen Partei- 
fraktion im Parlament schon kurz nach dem Siege des Faszis- 
mus ein entsprechendes Ansinnen an die nationale Gesetzgebung 
zestellt?4, In Amerika hat die Synode der Geistlichkeit 1913 
in Pittsburg sich in dem gleichen Sinne ausgesprochen 5. 
21 Hermann Muckermann, Vererbung und Auslese, 15. Aufl., Frei- 
surg 1. Br. 1924, Herder, S. 162—207. 
2 Muckermann, S. 167. 
%3 „Die Woche“, Jahrg. 1924, Nr. 44, zitiert bei A. Dührssen, Die 
Reform des $ 218 (unter Berücksichtigung der Strafgesetzentwürfe von 1919 
ınd 1925), in: Zur Reform des Sexualrechts, IV. Band von: Sexus, Mono- 
zraphien aus dem Institut für Sexualwissenschaft in Berlin (Hirschfeld). 
1926, p. 52. 
* Siehe meinen Sozialismus und Faszismus in Italien, München 1925, 
Meyer & Jessen, S. 3:8. 
® Arthur W. Calhoun, A Social History of the American Family from 
Colonial Times to the Present, Cleveland 1917, Clark, vol. III, p. 29z.
	        
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