In der Klassengesellschaft wird der Krieg von der Staats
organisation geführt. In der kapitalistischen Gesellschaft führt
die widerspruchsvolle ökonomische Struktur der Gesellschaft
schließlich zu einer scharfen Krise in ihrer politischen Gestaltung.
Und zwar geschieht es in zwei Grundrichtungen; die Anarchie des
Weltkapitalismus, der Gegensatz zwischen der gesellschaftlichen
Weltarbeit und der ,,national‘'-staatlichen Aneignung drückt sich
in dem Zusammenstoß der staatlichen Organisationen des Kapitals
und den kapitalistischen Kriegen aus; andererseits führt der
Gegensatz zwischen den Klassen der kapitalistischen Gesellschaft,
der durch die Entfaltung des ersten Gegensatzes ungeheuerlich
verschärft wird, zur Revolution. Sowohl hier als da wird die
Frage nach den gegebenen Staatsorganisationen entschieden. Der
Krieg ruft eine Umgruppierung der Kräfte auf derselben Basis
hervor; der Typus der Staatsgewalt und ihr sozialer Inhalt bleiben
bestehen. Die Revolution verändert auch die Grundlage der
staatlichen Organisation, indem sie neue Klassen ans Ruder bringt
und einen neuen Typus des Staates ins Leben ruft.
Die Fragen nach dem Kriege und der Staatsgewalt sind da
her die akutesten Fragen unserer Epoche und verlangen gelöst
zu werden. An dieser Stelle wollen wir sie vor allem rein theo
retisch anschneiden.
Der Marxismus betrachtet alle gesellschaftlichen Erschei
nungen in ihrem Zusammenhang und Wechselverhältnis: dabei
bildet jede Reihe dieser Erscheinungen ein Glied in der Kette
der Ursachen, durch die ein bestimmter Typus der Produktions
verhältnisse, eine bestimmte ,.ökonomische Struktur“ der Gesell
schaft erhalten, entfaltet oder, im Gegenteil, zerstört wird. Von
diesem Gesichtspunkt aus muß man auch den Krieg und die
Staatsgewalt betrachten,*)
*) Marx maß dem Kriege die größte ökonomische Bedeutung bei. Vgl,
seine „Einleitung zu einer Kritik der pol, Oekonoraie". Ein vollkommen ent
stelltes Bild gibt Sorabart in seiner Schrift „Krieg und Kapitalismus“, Duncker
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