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halt und Gefchmack der durch die Kriegsküchen verabfolgten Speifen be-
ftimmt [ich ausfchlie(?lich nach den vorhandenen, bezw, überwiefenen Vor
räten. Die Kriegsküchen find jetzt in die Kriegsernährung eingegliedert
und erhalten von ihr die Gefefse. Wie (ich die Ernährung der Gefamtbe-
völkerung in einem Ausnahmezuftand befindet, darf auch niemand in den
Kriegsküchen die reichliche Friedenskoft verlangen oder den Friedens-
gefchmack geltend machen. Ebenfo wie die Brotkarte, ift die Kriegsküche
ein kriegswirtfchaftliches Erlebnis, welches es unter dem eifernen Zwang des
Krieges durchzumachen gilt.
Eine Hauptgrundlage bildet in den Kriegsküchen die Gemüfenahrung,
welche bekanntlich, ihres hohen Kalkgehaltes wegen, fehr kräftigend i|t.
Im allgemeinen wird in den Kriegsküchen vor allem Wert auf fättigende
Ko|t gelegt.
Für Abwechfelung wird nach Möglichkeit geforgt. Es gab in den
erften Kriegsjahren:
Spinat, Frikadellen und Kartoffeln.
Rübfliel mit Hammelfleisch und Kartoffeln.
Wirfing mit Rindfleifdi und Kartoffeln.
Milchreis mit Rhabarber.
Gemüfefuppe mit Fleifchbällchen.
Dicke Bohnen mit Speck und Kartoffeln.
Rotkohl mit Bratwurft und Kartoffeln.
Suppe aus fi ifchen Erbten mit Fleifchbällchen.
Schneidebohnen mit Speck.
Nudeln mit Rhabarber oder Pflaumen.
Kohlrabi mit Rindfleifdi.
Möhren mit Hammelfleifdi.
Grünkernfuppe mit Rindfleifdi.
Sauerkraut mit Speck.
Steckrüben mit Hammelfleifdi.
Graupenfuppe mit Rindfleifdi.
Bohnenfuppe mit Wurft.
Erbfenfuppe mit Schweinefleifdi.
Weifekohl mit Hammelfleifdi.
Kartoffelfuppe mit Fleifchbällchen.
Kartoffeln und Aepfel mit Leberwurfl.
Schinkennudeln.
Grünkohl mit Wurft.
Reisfuppe mit Rindfleifdi.
Rumfordfuppe mit Speckwürfeln.
Hering mit Schalenkartoffeln u. Zwiebelbeigufe.
In den für die Ernährung befonders fchwierigen Kriegsmonaten Mai-Juli 1917:
Wickenfuppe.
Sagofuppe mit Fleifdi.
Getrodrnete Steckrüben mit Fleifdi.
Rübenfauerkraut mit Fleifdi.
Gerffenfuppe.
Dörrgemüfe mit Fleifdi.
Suppe aus Hafermehlpräparaten.
Kriegsfuppe (fertiges Präparat).
Spinal oder Schnittkohl mit Fleifdi.
Hafergrüfeenfuppe.
Möhren mit Fleifch.
Haltbarmachung von Gemüsen.
Nach Möglichkeit wird in den Sommermonaten Gemüfe im Großen
eingekauft und zur Verwendung im Winter gedörrt. Im Winter 1916/17
hatte die Firma Auguft Luhn & Co. ausgezeichnete Räumlichkeiten zum
Dörren zur Verfügung geftellt. Vom Sommer 1917 ab ift ein Mietvertrag mit
einer größeren Trockenanftalt abgefchlo|fen, in welcher täglich 50-60 Zentner
Gemüfe (Rot-, Weif?- und Wirfingkohl, Möhren, Rüben und Kohlrabi) ge