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III. HATJPTTEIL.
Bei den Beamten hat das Hinauszögern der Entschädi
gung, die sie vom Reich in Form einer Wiederanstellung zu
Recht verlangen, in gleicher Weise Arbeitskräfte brach
gelegt, wie innerhalb anderer Berufsgr,uppen unter den Ver
triebenen.
Der Mangel einer für gröbere Aufgaben eingerichteten
Übernahme und die Verschleppungsmethode in der Ent-
sdhädigüngsfrage haben es mit sich gebracht, daß die Lage
der Vertriebenen noch heute in weitem Maße wirtschaftlich
ungefestigt ist. Doch bevor wir zu. einer Gesamtbeurteilung
aller für die vertriebenen Elsaß-Lothringer getroffenen
Hilfsmaßnahmen übergehen, müssen wir noch ein besonderes
Problem berühren, das heute beim Wiederaufbau einer Exi
stenz eine ungeheuer wichtige Rolle spielt: die Woh
nungsnot.
f) UNTERBRINGUNG DER VERTRIEBENEN IN WOHNUNGEN
UND SIEDELÜNGEN.
Auch in der Vorkriegszeit hat sich die Wohnungsfrage,
die den Staatsmann und den Volkswirtschaftler in erster
Linie in ihrer hygienischen und ihrer preistechnischen
Seite beschäftigte, von Zeit zu Zeit an den verschiedensten
Orten sowohl in Deutschland als auch in anderen Volks
wirtschaften zu einer Wohnungsnot verdichtet. Es konnte
Vorkommen, daß an einem bestimmten Ort infolge besonders
günstiger Erwerbsmöglichkeiten eine so rasche Konzen
tration von Menschen vor sich ging, daß der Bau von
Wohnungen nicht Schritt halten konnte, und hierdurch eine
Wohnungsknappheit eintrat, die sich bis zur Wohnungsnot
steigerte. Diese Erscheinung können wir in Deutschland
während des raschen Emporblühens der Industrie deutlich
verfolgen. Oder aber die Art des Bauens, beeinflußt durch
Bauordnungen, sowie verschiedene preisbildende Faktoren,
wie Regelung des Grundstückserwerbs, des Hypotheken-
reohtes, trat in so ungesunde Bahnen ein, daß die Woh
nungsfrage sich auf ihrer hygienischen Seite zu einer Woh
nungsnot steigerte. Doch immer handelte es sich nur um
eine spezielle Wohnungsnot innerhalb einer Volkswirtschaft,