Full text : Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

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II.  HAUPTTEIL.

Grundlage  für  seine  Auswirkung  erhielt,  kann  zwar  nicht
zur  Eeagrarisierung  Deutschlands  führen,  bedeutet  aber  doch
einen  ersten  Schritt  in  dieser  Richtung  und  könnte  mit
einer  gleichzeitigen  Dezentralisierung  der  Industrie  aus
den  Städten  auf  das  platte  Land  eine  große  Bedeutung  gewinnen. ­

Aber  auch  Siedler  im  vollsten  Sinne  des  Wortes  meldeten ­
  sich  in  großer  Zahl,  Anwärter  auf  kleine  und  mittlere
Bauernstellen,  sowie  auf  Landarbeiterstellen  mit  Pachtland. ­
  Und  trotzdem  konnte  die  Siedelungsaktion  bis  heute
keinen  großenümfang  annehmen.  DieArmut  unseres  Volkes
ist  Schuld  daran.  Durch  den  Krieg  und  den  Frieden  von
Versailles  ist  unsere  Wirtschaft  ausgesogen  worden.  Es
fehlt  an  allem,  was  zur  Errichtung  von  Wirtschaftsheimstätten ­
  nötig  ist.  Dieser  Mangel  äußert  sich  in  ungeheuer
hohen  Preisen,  die  niemand  zahlen  kann.  In  erster  Linie
fehlt  es  an  Baustoffen.  Diese  wieder  fehlen  vor  allem
infolge  von  Mangel  an  Kohle.  Und  hier  befinden  wir
uns  in  einem  circulus  vitiosus!  Kohle  könnten  wir  mehr
fördern,  wenn  wir  mehr  Bergarbeiter  im  Euhrgebiet  ansiedeln ­
  könnten.  Es  ist  darum  sehr  zu  begrüßen,  daß
von  Staatswegen  der  Bau  von  Heimstätten  für  Bergarbeiter
im  Euhrgebiet  besonders  gefördert  wird 1 ).
Wir  müssen  hier  etwas  von  der  Behandlung  der
Eeagrarisierung  Deutschlands  abweichen,  und  die  allgemeine ­
  Wohnungsnot  in  Deutschland  kurz  betrachten.  Denn
nicht  nur  auf  dem  Lande  und  in  den  Eohstoffgebieten,  wo
jetzt  neue  Massen  von  Arbeitskräften  untergebracht  werden ­
  müssen,  mangelt  es  an  Wohnungen.  Das  deutsche
Volk  hat  nicht  nur  keine  genügenden  Arbeitsmöglichkeiten
und  zu  wenig  Brot,  es  leidet  auch  an  einer  Wohnungsnot,
wie  man  sie  bisher  nicht  kannte.  Während  vor  dem  Kriege
jährlich  durchschnittlich  200000  Wohnungen  neu  errichtet
wurden,  hat  die  Bautätigkeit  während  des  Krieges  fast
völlig  geruht.  So  fehlen  heute,  da  auch  im  Jahre  1919  und
1)  Bestimmungen  über  die  Gewährung  von  Beihilfen  aus  Eeichsmitteln
  zur  Errichtung  yon  ßergmannswohnungen  vom  21.  Jan.  1920-Zentralbl,
  f.  d.  Deutsche  ßeich,  S.  65.
            
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